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Zu heiß in Kalifornien für guten Wein

Der Klimawandel macht den Winzern im Napa Valley oder Sonoma zu schaffen, sie verlieren Masse und Qualität

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Zu heiß in Kalifornien für guten Wein

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Der kalifornische Sommer war heiß, vielleicht zu heiß für Merlot und Syrah. Die Trauben haben wenig Saft, sind fast vertrocknet. Vor Morgengrauen beginnt die Ernte.
Lee Hudsons Leute arbeiten sich Reihe für Reihe durch die Merlot-Trauben.

Lee Hudson: „Wir hatten neun Tage hintereinander Temperaturen von fast 40 Grad. Wir müssen die Trauben unbedingt von der Rebe holen, bevor sie zu süß werden.“

Die Hitze konzentriert den Saft in der Traube, sie schrumpft und bildet zugleich immer mehr Zucker.

Lee Hudson: „Wir haben 18 Tage ohne Pause gepflückt, 10 Stunden am Tag, 10 Stunden in der Nacht. Alles auf einmal zu machen ist eine ziemliche Herausforderung.“

Winzerin Pam Starr aus St. Helena musste ganze Rispen aus dem Stock schneiden, die die Hitze nicht vertragen haben. Pam hat auf ihrem Weingut die Hälfte ihrer besten Trauben verloren.

Pam Starr: „Mutter Natur schlägt Kapriolen. Ich habe wirklich nicht mehr gut geschlafen seit die Temparaturen hochgegangen sind.“

Chris Benziger will nur die besten Trauben für seine Weine.

Chris Benziger: „Wir sind wirklich besorgt wegen der Trauben, sie sind fast schon Rosinen, und die sind kleine Zuckerbomben. Die können die Qualität ziemlich kaputt machen. Die Technik hat uns dieses Jahr wirklich gerettet, die schlechten und zu trockenen Trauben werden aussortiert, nur die besten bleiben übrig.“

Die Winzer aus dem Napa und Sonoma rechnen aber trotz aller Technik und Tricks mit einem Verlust zwischen 10 und 20 Prozent der Trauben. Diese Verluste fordern die Phantasie der Winzer.

Pam Starr: „Dieses Jahr sind wir als Winzer richtig gefordert, die Trauben haben weniger Gewicht, die Beeren haben weniger Saft, und mit weniger Saft haben wir genau die Frage: was für einen Wein machen wir daraus?“

Für die Liebhaber Kalifornischer Weine gibt es trotzdem gute Nachrichten, die Preise sollen trotz geringerer Mengen stabil bleiben. Aber viele Winzer machen sich Sorgen wegen des Wetters, das nicht mehr kalkulierbar ist.

Chris Benziger: „Wir sind seit 40 Jahren auf diesem Land. Wir sehen definitiv Änderungen im Klima, wir haben heißere Phasen, längere Hitzespitzen, weniger Regen… aber wenn es regnet, dann kommt jede Menge runter.“

Noch sagen die Winzer, mit der Hitze können sie noch umgehen, trotz der Verluste. Für sie ist das Glas halbvoll – noch.

Ein Bericht von Jo Ling Kent, NBC News