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Mehr als 500.000 Rohingya in Bangladesch - Lage katastrophal

Immer mehr Menschen fliehen in die überlasteten Flüchtlingslager in Bangladesch. Die WHO warnt vor einem potenziell verheerenden und tödlichen Cholera-Ausbruch.

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Mehr als 500.000 Rohingya in Bangladesch - Lage katastrophal

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Auch sechs Wochen nach Beginn der Krise reißt der Strom der Menschen, die vor der Gewalt aus dem Norden Myanmars nach Bangladesch fliehen, nicht ab. Mehr als 500.000 Angehörige der muslimischen Minderheit der Rohingya haben nach UN-Angaben bereits die Grenze überquert, darunter Tausende Kinder, die allein unterwegs sind. Das Land und die Hilfsorganisationen sind mit der Situation überfordert.

“Die Krise kann sich nur verschärfen und mit Tausenden Neuankömmlingen pro Tag und womöglich auf eine Million Menschen ansteigen”, sagt unsere Korrespondentin in Kutupalong, Janis Mackey Frayer.

Die Militäreinsätze in Myanmar könnten nach Ansicht von UN-Experten als Verbrechen gegen die Menschlichkeit gewertet werden. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Seid Rad al-Hussein hatte die Gewalt zuvor als “Paradebeispiel für ethnische Säuberungen” bezeichnet. Myanmars Regierung hat die Anschuldigungen zurückgewiesen.

Eine Frau berichtet, dass ihr Mann erschossen und ihr Dorf niedergebrannt wurde. Andere Flüchtlinge haben Misshandlungen und sexuelle Übergriffe erlitten. Die Situation in den überlasteten und für den Zustrom unvorbereiteten Lagern ist katastrophal. Es gibt nicht genügend Nahrung. Der schlechte Zugang zu Trinkwasser und Sanitäranlagen erhöht die Gefahr von Krankheiten, warnt Bruce Murray, ein pensionierter Arzt aus den USA, der hier ist, um zu helfen. “Das ist der perfekte Nährboden für den Ausbruch von Epidemien wie Cholera.”

Die internationale Gemeinschaft hat das Vorgehen Myanmars gegen die muslimische Minderheit stark verurteilt, konnte sich bislang aber nicht auf angemessene Sanktionen einigen. Im Kreuzfeuer der Kritik steht die Friedensnobelpreisträgerin und “de facto” Regierungschefin Myanmars Aung San Suu Kyi, die lange schwieg und dem Militär scheinbar machtlos gegenüber steht.


Ein Ende des Flüchtlingsstroms ist nicht in Sicht. Rund 100.000 weitere Rohingya in Myanmar warten nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) auf eine Möglichkeit, zu fliehen und riskieren ihr Leben. Mehr als 150 Rohingya-Flüchtlinge sind bereits in den vergangenen Wochen bei dem Versuch, den Grenzfluss Naf zwischen Myanmar und Bangladesch zu überqueren, ertrunken.

Erst am Montagmorgen kenterte ein Boot rund 50 Menschen an Bord. Mindestens zwölf Menschen kamen ums Leben – die Mehrheit Frauen und Kinder. 15 Passagiere konnten gerettet werden, zahlreiche weitere wurden vermisst, wie ein Sprecher der bengalischen Regionalbehörden mitteilte.