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Frankfurter Buchmesse 2017: Vive la France ! Und wie...

Auf der Buchmesse in Frankfurt dreht sich in diesem Jahr (fast) alles um Frankreich.

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Frankfurter Buchmesse 2017: Vive la France ! Und wie...

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Zwischen den Hallen auf der Frankfurter Buchmesse 2017, der bekanntlich größten Bücherschau der Welt, steht ein riesiger Asterix – nicht gerade ein Sinnbild für das intellektuelle Frankreich, sicher aber ein allseits bekannter Vertreter des Gastlandes. “La France” präsentiert sich im Forum, doch das gesamte Erdgeschoss der Halle F gehört der ARD. Der SPIEGEL beklagt in dieser Woche die Übermacht des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Deutschland, auf der Buchmesse ist die gebührenfinanzierte Stärke deutlich sichtbar.

Frankreich zeigt sich unprätentiös mit Holzregalen, die den Raum im 1. Stock des Forums aufteilen und dadurch gemütlicher machen, auf der “grande Bühne” diskutieren SchriftstellerInnen. Die Video-Einspielungen sind selten gut übersetzt, der Kellner im Café kann nur Französisch. Das gehört zum französischen Charme. Genau wie die Künstlerin von Ici Même aus Marseille und Grenoble, die an der kleinen Reiseschreibmaschine sitzt und tippt. Ab und zu kommen junge Leute oder SchauspielerInnen herein und überraschen die Besucher mit einem Spektakel. Es gibt 360-Grad-Brillen, die junge Frauen geduldig zu erklären versuchen. Die Bücher in den Holzregalen erscheinen eher zufällig ausgewählt – Kinderbücher, Kunstbände, von staatlichen Institutionen geförderte Übersetzungen.
Angela Merkel und Emmanuel Macron haben hier über Europa geredet und die Buchmesse eröffnet.



Die deutschsprachigen Literaturausgaben der großen Zeitungen und Zeitschriften diskutieren über das intellektuelle Frankreich – und liefern die Erklärungen auch in Buchform gleich mit. Nils Minkmar (51) vom SPIEGEL debattiert über die extreme Rechte mit dem französischen Journalisten, Soziologen und Philosophen Didier Eribon (64). Minkmar kommt aus Saarbrücken, kann hervorragend Französisch und übersetzt seine Fragen sowie die Antworten des Intellektuellen gleich selbst. “Das geheime Frankreich” lautet der Titel von Minkmars Buch, das den Deutschen die Nachbarn nahebringen soll. Iris Radisch (58) von der ZEIT zählt den linken Eribon in ihrem Buch “Warum die Franzosen so gute Bücher schreiben” ebenfalls zu den lesenswerten Autoren. Sowohl die ZEIT als auch ARTE stellen “Die Lichter von Pointe-Noire” des inzwischen in Kalifornien lebenden, aber auf Französisch schreibenden Kongolesen Alain Mabanckou (51) vor.

Die “Süddeutsche Zeitung” lässt den altbekannten Frankreich-Experten Ulrich Wickert (fast 75) an ihrem Stand seine altbekannten Geschichten in einem neuen Buch anpreisen. Die Belletristik ist auf der Buchmesse über Halle 3 und Halle 4 verteilt gemischt mit Kinderbüchern, Kunstbüchern und Kalendern. “Streicheln Sie mal über eines unserer Hardcover” schreibt der Schweizer Verlag Diogenes. Sehr schöne Hardcover macht jetzt Blumenbar, eine Marke des Aufbau Verlags, deren Jungstar ist der FAZ-Feuilleton-Redakteur Simon Strauß (29) mit seinem Roman “Sieben Nächte”. Simon ist übrigens der Sohn des berühmten Theaterautoren Botho Strauß, und die taz nennt ihn einen “Jungautoren, wie ihn sich Literaturkritiker um die 50 wünschen”.

Der Gewinner des Deutschen Buchpreises, der Österreicher Robert Menasse zieht von Interview zu Interview. Sein preisgekröntes Werk Die Hauptstadt spielt nicht in Paris, sondern in Brüssel, aber in der EU-Hauptstadt kommt es schon mal vor, dass die ausländischen Touristen französische Briefmarken auf ihre Postkarten kleben wollen – so klein ist Belgien.

Nicht nur für Fachbesucher, sondern für alle zugänglich ist die Frankfurter Buchmesse am Samstag und am Sonntag, den 14. und 15. Oktober 2017. Praktische Infos gibt es hier.