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Kurz und bündig: Bundeskanzler

Kurz fährt politisch im rasanten Tempo auf der Überholspur.

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Kurz und bündig: Bundeskanzler

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Es ist der bisherige Höhepunkt einer steilen Politikerkarriere: Sebastian Kurz’ konservative ÖVP ist stärkste Kraft bei den Nationalratswahlen geworden – somit könnte Kurz nächster Bundeskanzler werden – mit nur 31 Jahren. Ein “Wonderboy”, so sein Spitzname.

“Der heutige Tag ist ein historischer. Der heutige Tag ist unsere Chance, die Führung in unserem Land zu übernehmen und für echte Veränderungen zu sorgen. Vielen Dank euch dafür,” sagte er vor Anhängern am Wahlabend.


Sebastian Kurz stammt aus kleinbürgerlichen Verhältnissen – die Mutter Lehrerin, der Vater Techniker. Abitur mit Auszeichnung, Bundesheer und danach ein Jura-Studium in Wien, das er nie beenden sollte. Ihm mache Politik generell Spaß, meint er. Deshalb trat er 2003 bei der Jungen Volkspartei ein und wurde schnell ihr Vorsitzender.

Als Machtmensch bewies er früh, dass er im Wahlkampf vor nichts zurückschreckt. Um für mehr U-Bahn-Verbindungen zu werben, ließ er 2010 so genannte “Geilomobile” durch Wien fahren, unter dem Motto: “Schwarz macht geil”. Halbnackte Wahlkämpfer warben für “24 Stunden Verkehr am Wochenende” und warfen schwarze Kondome unters Volk. Der Vorstoß glückte.

2011 der nächste Karrieresprung: Kurz wird Integrationsstaatssekretär, 2013 schließlich jüngster Außenminister und bekennender Economy class-Flieger.

Mit seinem strikten Kurs vor allem beim Thema Migration und Integration ist er politisch rechts der deutschen CSU anzusiedeln. Dabei schlägt er einen zivilisierteren Ton in der Ausländerdebatte an als die rechtspopulistische FPÖ, aber mit gleichen Inhalten. “Sehen Sie sich an die Mindestsicherung in Wien, wo mittlerweile jeder zweite Bezieher ein Ausländer ist. Wenn wir unseren Sozialsystaat wirklich schützen wollen, müssen wir sicherstellen, dass die Zuwanderung weniger wird. Dann schützen wir ihn auch für die nächsten Generationen,” sagte er während des TV-Duells mit Sebastian Kern.

Das Schließen der Balkanroute, das Verbot der Vollverschleierung. Kurz gelang es im Wahlkampf, das Bauchgefühl der Wähler anzusprechen, an die Furcht vor dem Fremden und die Angst vor dem Unbekannten zu appellieren – und diese politisch zu nutzen. Ein kalkulierender Machtmensch, der es bis ganz nach oben geschafft hat.