Eilmeldung

Eilmeldung

«Los Jordis» Katalonien hat zwei neue Volkshelden

Durch ihre Inhaftierung hat Madrid „die beiden Jordis“ zu Ikonen der Separatistenbewegung gemacht.

Sie lesen gerade:

«Los Jordis» Katalonien hat zwei neue Volkshelden

Schriftgrösse Aa Aa

Es sind zwei völlig verschiedene Charaktere, der eine ist ein Linksintellektueller, der zweite ein Selfmademan. Im Doppelpack wurden Jordi Sànchez und Jordi Cuixart zum Herz und Motor der Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien. Nun sitzen beide hinter Gittern. Sie sind die ersten «großen Namen», die im Konflikt um die Unabhängigkeitsbestrebungen hinter Gitter landeten. Als Chefs der beiden wichtigsten separatistischen Organisationen Kataloniens spielten sie bisher vor allem bei der Mobilisierung der Massen eine entscheidende Rolle.

Die beiden agierten dabei derart im Einklang miteinander, das sie in Spanien nicht nur von Medien, sondern auch in Cafés und Büros nur noch «die Jordis» genannt werden. Für Unionisten sind sie – mehr als Regionalpräsident Carles Puigdemont – ein rotes Tuch. Sie werden als «Aufwiegler» und «Provokateure» beschimpft. Für die Separatisten sind sie dagegen Leitfiguren. Ihre Inhaftierung wegen «aufrührerischen Verhaltens» löste eine heiße Debatte aus.

Die Inhaftierung der beiden sei eine Schande, meint der Chef der linken Partei Podemos, Pablo Iglesias, der die Separatisten nicht unterstützt. Es gehe nicht an, dass es «im Spanien des 21. Jahrhunderts politische Häftlinge» gebe. Die Volkspartei PP von Ministerpräsident Mariano Rajoy, die von einem Putsch in Katalonien spricht, entgegnete, die beiden seien nicht wegen politischer Ideen, sondern wegen der Bedrängung von spanischen Polizisten bei Demonstrationen in U-Haft. allerdings kursiert in den sozialen Medien ein Video, das einen eindeutig deeskalierenden Auftritt der beiden während der Demonstrationen zeigt. Dort rufen sie Demonstranten zur Mässigung und zum auflösen der Demo auf.

Wer sind «Los Jordis»? Welche Organisationen leiten sie? Der 53 Jahre alte frühere Politik-Dozent Sànchez ist schon seit vielen Jahren unter anderem bei den katalanischen Grünen politisch aktiv. Er engagierte sich vor allem im Bildungssektor, nebenbei arbeitete er für zahlreiche katalanische Medien. Separatist war er «schon immer», wie er selber sagt. Seit 2015 ist er als Nachfolger der aktuellen Präsidentin des Regionalparlaments, Carme Forcadell, Chef der Katalanischen Nationalversammlung (ANC). Die Bürgerinitiative wurde 2012 im Zuge des Wiederaufflammens des Separatismus in Katalonien gegründet und hat rund 80 000 Mitglieder.

Cuixart ist ebenfalls entschiedener Separatist. Anders als der linksgerichtete Intellektuelle Sànchez, mit dem er 2015 eine 400 Kilometer lange Menschenkette organisierte, ist der Sohn eines Bauarbeiters und einer Metzgerei-Angestellten ein Selfmademan, der mit der Gründung eines Verpackungsunternehmens zu Erfolg und Geld kam. Seit 2015 ist er Präsident des Kulturvereins «Omnium Cultural», einer Organisation, die 1961 mit dem Ziel der Förderung der von der Franco-Diktatur (1939-1975) unterdrückten katalanischen Kultur und Sprache ins Leben gerufen wurde.