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Rausch- und Schmerzmittel: Trump ruft nationalen Gesundheitsnotstand aus

US-Präsident diagnostiziert "Opioid-Epidemie"

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Rausch- und Schmerzmittel: Trump ruft nationalen Gesundheitsnotstand aus

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US-Präsident Donald Trump hat angesichts des
grassierenden Heroin- und Opioidmissbrauchs in den Vereinigten Staaten einen nationalen Gesundheitsnotstand verhängt. Opioide sind Rausch- und Schmerzmittel mit morphinartigen Eigenschaften. Es handele sich um die schlimmste Drogenkrise in der amerikanischen Geschichte, sagte Trump, eine “Opioid-Epidemie”. Gesundheitsnotstand heißt aber nicht zusätzliches Geld – es soll aus anderen Töpfen umgeschichtet werden.


Rob Brandt betreibt in Pepper Pike, Ohio, ein Suchtbekämpfungszentrum – sein Sohn starb vor 6 Jahren mit 20 an einer Überdosis Heroin:

“Das ist ein nationaler Notstand und ich meine, dass er als nationaler Notstand behandelt werden sollte. Aber so wie Politik nun mal ist, ist schon die Ausrufung des Gesundheitsnotstands ein großer Schritt, gut für den Anfang, aber wir brauchen mehr Führung aus Washington.”


In den USA sterben nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC jeden Tag im Schnitt 91 Menschen an einer Opioid-Überdosis, insgesamt 142 an Drogen – mehr als im Straßenverkehr oder durch Schusswaffen. Tödlicher sind nur Alkohol und Nikotin.

Im Jahr 2015 gab es in den USA insgesamt rund 52.000 Drogentote – mehr als im Straßenverkehr umkamen (2016: 40.000/National Safety Council) oder durch Schusswaffen (rund 33.000, CDC) – 33.000 von ihnen hatten Opioide genommen. Nach vorläufigen Angaben stiegen die Zahlen 2016 weiter an. An den Folgen von Alkohol sterben jährlich 88.000 Menschen in den USA (National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism, 480.000 an den Folgen von Nikotin (Center for Disease Control and Prevention, CDC).

Die US-Bürger von betäubenden Substanzen abzubringen – diese Illusion hat selbst Donald Trump nicht.

US-Präsident Donald Trump:

“Ich werde das Konzept der nicht-süchtig machenden Schmerzmittel sehr, sehr hart vorantreiben. Wir geben Milliarden und Milliarden Dollar jährlich aus und wir werden auch künftig viel Geld lockermachen, um eine nicht süchtig machende Lösung zu finden.”


Viele Abhängige in den USA sind über verschreibungspflichtige Schmerzmittel wie Oxycodon in die Heroinsucht gerutscht. Seit den 1990er Jahren wurden die Medikamente in den USA sehr freizügig verschrieben. Studien hatten Hinweise geliefert, dass die Suchtgefahr gar nicht so groß sei. Das ist inzwischen widerlegt.

Sigrid Ulrich mit dpa