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"Reise nach Absurdistan" - Europas Presse zu Katalonien am Tag nach dem 27.10.

So sehen es die Zeitungen in Europa nach dem historischen Freitag für Katalonien und Spanien.

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"Reise nach Absurdistan" - Europas Presse zu Katalonien am Tag nach dem 27.10.

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Ein gespaltenes Spanien am Tag nach der Unabhängigkeitserklärung der Katalanen vom historischen Freitag, dem 27. Oktober 2017. So sieht es die Presse in Europa auf den Titelseiten an diesem Samstag.

Der linksliberale britische INDEPENDENT spricht von “roter Wut gegen einen Stier” und meint die herausfordernde Haltung der Befürworter der Unabhängigkeit von Katalonien stürze Spanien noch tiefer in die Krise.


Laut dem konservativen DAILY TELEGRAPH aus London warnt die EU vor mehr “Cracks” (Abbröckelungsprozessen) nach der Unabhängigkeiteserklärung in Katalonien. Da scheinen die Vergleiche mit dem Brexit durch…


Der linksliberale GUARDIAN sieht – wie viele – Spanien in der Krise.


Die französische Zeitung LE FIGARO schreibt auf der Titelseite, dass Spanien in eine historische Krise schlittert. Und der Leitartikel lautet “Reise nach Absurdistan”.


Die linksliberale LIBERATION spricht vom GROSSEN SPRUNG der Katalanen und schreibt, dass am Samstag die Katalonen unter Vormundschaft und die Spanier gespalten aufgewacht sind.


EL MUNDO aus Madrid titelt “55 Tage unter Artikel 155”, der Katalonien bis zu den Wahlen am 21.12. unter die Herrschaft der Zentralregierung in Madrid stellt.


Der ORF-Korrespondent twittert zur spanischen Presse.


EL PAIS aus Madrid liefert den Leitartikel auch auf Englisch und meint, die Demokratie werde siegen.


Die NZZ aus Zürich schreibt, dass der Konflikt zwischen Madrid und Barcelona nicht unerwartet kommt.

“Bei genauerer Betrachtung kommt diese Konfrontation nicht unerwartet. Spätestens seit das spanische Verfassungsgericht 2010 das reformierte Autonomiestatut für Katalonien auf Ersuchen des konservativen Partido Popular von Ministerpräsident Rajoy in wichtigen Teilen rückgängig gemacht hat, hängt der Haussegen zwischen Madrid und Barcelona schief.(…)

Angesichts des jahrhundertealten Konflikts mit Madrid ist es unwahrscheinlich, dass die katalanische Unabhängigkeitsbewegung als Folge des harten Durchgreifens der spanischen Regierung einfach verschwinden wird. Trotz 36 Jahren Unterdrückung durch General Franco nahmen die autonomistischen Bestrebungen in Katalonien bereits wenige Wochen nach dessen Tod wieder Fahrt auf. Früher oder später werden deshalb die beiden Seiten miteinander reden müssen. Je länger sie damit zuwarten, umso schwieriger wird es, zu einer Lösung zu kommen.”

Die Amsterdamer Zeitung “De Telegraaf” meint, die EU solle etwas tun:

“Dem Gesetz nach ist es richtig, dass Brüssel sich nicht in den inneren Konflikt Spaniens einmischt. Die spanische Verfassung verbietet es, in einer Region die Unabhängigkeit auszurufen. Das kommt der EU gerade recht. Der Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, wäre nicht begeistert, bald König einer Reihe von Ministaaten zu sein, die selbst jemandem, der in Luxemburg geboren wurde, zu klein sind. Er fürchtet, dass nach den Katalanen die Schotten, die Basken, die Korsen, die Flamen, die Veneten und vielleicht gar die Friesen ihre Unabhängigkeit erklären. Dann wäre sein Königreich just unregierbar.

Das Beispiel des Kosovos, der sich von Serbien abspaltete, zeigt, wie blutig das Streben nach Selbstbestimmung in Europa werden kann. Natürlich hat Juncker recht, wenn er sagt, dass in Katalonien keine Menschenrechte geschändet werden und dass ein Vergleich mit Jugoslawien absurd ist. Aber recht zu haben ist etwas anderes als ein Lösung zu finden.”