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Kein Losverfahren mehr: Frankreichs 500-Mio-Euro-Reform für Hochschulzugang

Das neue System soll die Interessen der Abiturienten besser berücksichtigen.

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Kein Losverfahren mehr: Frankreichs 500-Mio-Euro-Reform für Hochschulzugang

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Frankreichs Regierungschef Edouard Philippe will das “System des Scheiterns der Schüler” beenden. Er meint, das vorherige System sei ein “Skandal” gewesen und habe “Schiffbruch” erlitten. Tatsächlich gibt es unter Schülern, Studenten und Lehrern kaum lobende Worte für das komplizierte Online-Verfahren APB (Admission Post Bac), mit dem sich französische Abiturienten, Lehrer (und auch Eltern…) monatelang beschäftigen mussten, um sich um Studienplätze an den Unis zu bewerben. Dieses System wird jetzt abgeschafft und soll durch ein gerechteres Verfahren ersetzt werden, das die Interessen der Abiturienten besser berücksichtigt.

Keine Studienplätze mehr per Los vergeben

Ein besonderer Dorn im Auge der neuen Regierung war die Tatsache, dass in einigen besonders beliebten Studienfächern wie Psychologie, Medizin, Sport und Jura die Studienplätze am Ende per Auslosung vergeben wurden, wenn es zu viele Bewerber gab. So hatten im vergangenen Sommer mehr als 800 Kandidaten keinen Studienplatz für STAPS bekommen, dieser Sport-Studiengang bildet in Frankreich auch Physiotherapeuten aus.

Die Regierung hat versprochen, in den kommenden 5 Jahren 500 Millionen Euro für die Reform zur Verfügung zu stellen. Abiturienten sollen schon in den Schulen von besonderen Klassenlehrern besser beraten werden.

Studentenorganisationen hatten die Schaffung von mehr Studienplätzen in den beliebten Fächern gefordert. Viele sprechen jetzt von einem Schritt in die richtige Richtung.

Gerechtere Vergabe der Studienplätze

Vor allem hat die französische Regierung eine gerechtere Vergabe der Studienplätze versprochen, die besser auf die Fähigkeiten der jungen Leute zugeschnitten sei. Tatsächlich mussten die Abiturienten im alten System 12 Wünsche angeben. In vielen Fällen wurde dann nur die 4. oder die 6. Wahl berücksichtigt – und die jungen Leute orientierten sich um.

In Zukunft sollen die Universitäten Zugang zu den Zeugnissen der Schüler erhalten, um besser entscheiden zu können, wen sie auswählen möchten. Abiturienten, die nicht gleich den Studiengang ihrer Wahl erhalten, sollen auf das Studium vorbereitet werden.

20% verlassen die Unis ohne Abschluss

Jedes Jahr verlassen etwa 20 Prozent der französischen Studenten die Hochschulen – häufig schon im oder nach dem ersten Studienjahr -, ohne dass sie einen Abschluss erreicht haben.

Frankreichs Erziehungsministerin Frédérique Vidal erklärte, es sei positiv, dass 80% der jungen Leute Abitur machen, aber es gehe auch darum, sie besser auszubilden.

Nicht selten wechseln französische Studenten das Studienfach. Der Sohn einer Freundin hat erst Mathe studiert, bevor er sich für eine Hochschule für Computergrafik in Paris beworben hat, aber keinen Platz bekam, dann studierte er kurz Englisch – und heute versucht er sich in der biologischen Landwirtschaft. Solche Lebensläufe sind in Frankreich nichts Besonderes.