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Indigener Rapper in Brasilien: "Niemand will die Gewalt gegen uns zeigen"

Der junge Kunumí MC setzt sich mit seiner Rapmusik für die Rechte indigener Völker in Brasilien ein.

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Indigener Rapper in Brasilien: "Niemand will die Gewalt gegen uns zeigen"

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Er heißt Werá Jeguaka Mirim, wird aber von allen “Kunumí MC” genannt. Der 16-Jährige stammt vom Volk der Guaraní, genauer aus dem Dorf Krukutu ganz im Süden von São Paulo. Er ist der erste indigene Solo-Rapper in Brasilien.

Mit seinen Liedern setzt Kunumí MC sich für die Landrechte indigener Völker ein. “Ich rappe, weil wir indigenen Völker sehr hart mit der Gewalt gegen uns zu kämpfen haben. Niemand sieht es, niemand will es zeigen, die Medien berichten darüber nicht, die Politiker sprechen darüber auch nicht”, sagt der junge Rapper.

In seinem neuen Videoclip berichtet er vor allem über ein bestimmtes Volk: “Ich habe diesen Text für das Guaraní-Kaiowá Volk geschrieben. Für ihr Leiden.”

Die Kaiowá bilden laut der Menschenrechtsorganisation Survival mit über 30.000 Angehörigen die größte Gruppe des Guaraní Volkes. Ihr Name bedeute so viel wie “Waldmenschen”. Die Guaraní sind mit über 50.000 Angehörigen heute das größte indigene Volk Brasiliens, so Survival. Allerdings sei ihnen nur sehr wenig Land geblieben.

Brasiliens Regierung hat bisher 690 Gebiete als indigene Territorien anerkannt, die gemeinsam etwa 13 Prozent der brasilianischen Landfläche bedecken. Fast alle befinden sich im Amazonasgebiet, wobei die große Mehrheit der Indigenen außerhalb dieser Regionen ansässig sind.

Im heutigen Brasilien leben rund 900.000 Indigene in rund 300 verschiedenen Völkern. Ihre ursprünglichen Territorien wurden vielen gewaltsam weggenommen. Ständig stehen Indigene unter dem Druck von Agrobusiness und Bergbaukonzernen.

Nach Ansicht von Wissenschaftlern bedeutet die Erhaltung der indigenen Lebensweise die Bewahrung der Wälder, in denen die Indigenen leben.

Kunumi MC ruft Menschen und Regierungen auf, zu reagieren: “Das Anliegen der Indigenen sollte für alle wichtig sein. Wir bringen der Welt nämlich Sauerstoff.”


Er kämpft schon länger für die Rechte der Indigenen

Der junge Werá Jeguaka Mirim ist auch ein Schriftsteller und hat bereits ein Buch mit dem Titel “Kunumi Guarani” herausgebracht, in dem er den Alltag im indigenen Volk darstellt.


Außerdem ist er für seinen Auftritt beim WM-Eröffnungsspiel 2014 in der Arena Corinthians von São Paulo bekannt. Damals war er 13 Jahre alt und durfte gemeinsam mit zwei anderen Kindern Friedenstauben in den Himmel lassen.

Als Werá Jeguaka Mirim den Platz verließ, holte er ein rotes Spruchband heraus, das er in seiner Kleidung versteckt hatte. Darauf stand: “Demarcação jà”, “Grenzziehung jetzt”. Es ist der Spruch brasilianischer Indigenen, die eigenen Grund und Boden fordern.

Viele bemerkten diese Aktion nicht. Im brasilianischen Fernsehen wurde sie nicht übertragen. Ein Foto wurde erst Tage später in Zeitungen und sozialen Netzwerken veröffentlicht.