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Ist in Bonn der Kampf um den Klimaschutz zu retten?

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Ist in Bonn der Kampf um den Klimaschutz zu retten?

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Paris vor zwei Jahren – Jubel und Begeisterung über das bislang weitreichendste Klimaabkommen.

Doch mittlerweile ist der Optimismus Ernüchterung gewichen, die meisten Akteure von damals sind ohnehin nicht mehr im Amt.

Am Montag beginnt in Bonn die Weltklimakonferenz, um über die nächsten Schritte im Kampf gegen die Erderwärmung zu beraten.

Die Zeit drängt, zumal laut Vereinten Nationen zwischen Anspruch und Wirklichkeit eine große Lücke klafft.

Die Pariser Ziele, die Erderwärmung einzudämmen, werden in diesem Jahrhundert nicht erreicht, so sagen Wissenschaftler.

Das müsste eigentlich die grössten Umweltverschmutzer China und die USA auf den Plan, doch Washington unter Donald Trump hat am Klimaschutz kein Interesse.

Vorbei sind die Zeiten, als Amerika mit Al Gore an der Spitze den Kampf zur Rettung des Planeten anführte.

Trumps Ankündigung, die USA aus dem Pariser Kreis zurückzuziehen, hat indes weltweit Besorgnis ausgelöst.

Die Europäische Union will nun eine Führungsrolle bei der Verteidigung des Abkommens übernehmen.

“Seit Trumps Ankündigung gibt es ein Führungsvakuum im internationalen Klimaschutz, und die EU hat ihre Bemühungen verstärkt”, sagt EU-Kommissionssprecherin Anna-Kaisa Itkonen. “Wir haben neue Allianzen geschmidet, etwa mit China und Kanada, und stellen sicher, dass wir die internationalen Vorreiter bleiben.”

So will Europa in den nächsten drei Jahren den Anteil an erneuerbarer Energie auf 20 Prozent erhöhen.

EU-interner Spitzenreiter ist Schweden mit mehr als 50 Prozent.

Euronews: Um die Erwartungen an den Klimagipfel zu diskutieren begrüße ich jetzt im Studio Milan Elkerbrout vom Zentrum für Europäische Politikstudien. Die wesentliche Veränderung ist sicherlich die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, sich von dem Abkommen zurückzuziehen. Ist das eine Bedrohung für das gesamte Projekt?

Milan Elkerbrout: Als Trump seine Ankündigung machte, haben alle gedacht, jetzt ist alles verloren. Tatsächlich war aber die Antwort fast aller anderen Unterzeichnerstaaten, das Abkommen zu verteidigen. Selbst in den USA haben wir Staaten wie Kalifornien und Städte wie New York gesehen, die Paris nach wie vor umsetzen wollen. Sie haben ziemlich viel EInfluss bei den tatsächlichen Emissionen in den USA.

Euronews: Sehen sie eine herausragende europäische Stimme bei der Konferenz? Wir sehen, dass etwas Deutschland, Frankreich oder Schweden hart daran arbeiten, sich von der Kohle zu verabschieden, während Polen versucht, seine Kohleindustrie zu schützen. Wie können beide Seiten einen nachhaltigen Kompromiss finden?

Elkerbrout: Die politische Idee ist immer, dass Ziele für den Schadstoff-Ausstoß formuliert werden, und dass dann Staaten und Unternehmen diese Ziele umsetzen – wie, ist ihnen überlassen. Mit Kohle gibt es noch andere Probleme, da auch die Luftqualität beeinträchtigt wird. Manche Staaten wollen so schnell wie möglich weg von der Kohle, andere wie Polen oder auch Deutschland wollen eher eine stufenweise Lösung, weil viele Arbeitsplätze betroffen sind. Auf EU-Ebene werden wir also nie völlig harmonisierte Lösungen sehen.

Euronews: Wie kann die EU hier eine Führungsrolle übernehmen? Es geht schließlich um Geld, Zeit und realistische Ziele…

Elkerbrout: Wirtschaftlicher Wettbewerb ist immer sehr wichtig. Es ist ein klares Ziel von vielen Ländern, wett bewerbsfähig zu bleiben und keine Klimapolitik zu praktizieren, die ihre eigenen Unternehmen bestraft, während Konkurrenten aus Staaten mit weniger Klimaschutz profitieren. Geld ist ein wichtiger Faktor. Das war nie anders.