Eilmeldung

Eilmeldung

"Vermehren wie Karnickel"? Wie Polen die Geburtenrate steigern will

Sie lesen gerade:

"Vermehren wie Karnickel"? Wie Polen die Geburtenrate steigern will

Schriftgrösse Aa Aa

Die polnische Regierung ruft die Bevölkerung in einer umstrittenen Kampagne dazu auf, sich “wie die Karnickel” zu vermehren. Das Gesundheitsministerium des Landes mit einer der niedrigsten Geburtenrate der Welt ruft in einem Film dazu auf, es den Kaninchen gleich zu tun.

In den YouTube-Video sieht man die Tierchen Salat und Karotten knabbern während ein Kaninchen-“Erzähler” das Geheimnis großer Familien verrät: Bewegung, gesunde Ernährung und wenig Stress.

Kurzzeitig sieht man ein junges Pärchen beim Picknick, was ein kleiner Hinweis darauf sein könnte, dass auch Romantik beim Kinderkriegen (oder auf dem Weg dahin?) eine Rolle spielt.

“Wenn Sie jemals Eltern sein wollen, folgt dem Beispiel der Karnickel”, sagt die Stimme.

Die Kampagne ist der neueste Versuch der polnischen Regierung, die Geburtenzahlen des Landes zu steigern. Das überwiegend katholische Land mit 38 Millionen Einwohnern kämpft mit schrumpfenden Bevölkerungszahlen.

Nach Angaben der Europäischen Union lag die Geburtenrate in Polen 2015 bei 1,32 Kindern pro Frau. Nur in Portugal kommen weniger Babys auf die Welt.

Auf Anfrage der Nachrichtenagentur Associated Press sagte das polnische Gesundheitsministerium, das Video sei ein Versuch, bei Polen im reproduktiven Lebensalter zwischen 18 und 45 Jahren einen gesunden Lebensstil zu bewerben, um ihre Chancen auf Nachwuchs zu verbessern.

Die Kampagne mit Kaninchen solle die Öffentlichkeit zu dem Thema sensibilisieren, ohne jemanden “zu verletzen oder gar vulgär zu werden”.

Für den 30 Sekunden lange Spot investierte die Regierung mehr als 700.000 Euro.

In den sozialen Medien war die Meinung gespalten. Zahlreiche Nutzer kritisierten, die Regierung vergleiche die Menschen mit Tieren, die auf Befehl agieren und keine unabhängige Entscheidungen treffen können.

Es sei nicht klar, wen die Kampagne ansprechen solle. Familien mit vielen Kindern? Singles? Eine Paar, das bisher keine Kinder haben konnte?, fragt Iwona Wojna.


Der polnische Illustrator und politischer Zeichner Andrzej Mleczko mokiert das Video mit folgendem Bild. Ein Kaninchen fragt an einem Kiosk nach 800 Kondomen.


Die Hauptkritik konzentrierte sich allerdings auf die Kosten der Kampagne.

Drei Millionen Zloty für eine Kaninchen-Kampagne hätte vielen Paaren helfen können, durch In-vitro-Fertilisation schwanger zu werden.


Die polnische nationalkonservative Regierung hat nach zwei Jahren die staatlichen Hilfen für die künstliche Befruchtung eingestellt. Diese sei kostspielig im Vergleich zu anderen Fruchtbarkeitsbehandlungen.