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Rechten-Aufmarsch: Wo endet Patriotismus?

Mit rechtsradikalen Tönen haben viele Polen ihren Nationalfeiertag begangen. Etwa 60.000 Menschen schlossen sich einem nationalistischen Marsch in Warschau an.

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Rechten-Aufmarsch: Wo endet Patriotismus?

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Ein rot-weißes Fahnenmeer, dazu rassistische und erzkatholische Parolen: Zehntausende Polen haben sich an diesem Samstag einem nationalistischen Marsch in Warschau angeschlossen. Dazu hatte eine rechtsextreme Gruppe aufgerufen, Aufhänger war der Nationalfeiertag. Ein Redner sprach von der Überlegenheit der christlichen Kultur gegenüber der islamischen. Es wurde ein – so wörtlich – “weißes, reines Polen” heraufbeschworen sowie gegen Ausländer, Kommunisten und Russen gehetzt. Eine aufgeladene Stimmung, untermalt von zahlreichen bengalischen Feuern, die bis spät in die Nacht gezündet wurden.

Für die konservative Regierung verlief der Nationalfeiertag in einer “sehr guten Atmosphäre”. Spruchbänder, auf denen “Weißes Europa” und “reines Blut” prangte, hat der Innenminister Mariusz Blaszczak eigenen Angaben nach nicht gesehen. Vor dem Hintergrund des Nationalfeiertags forderte der Vorsitzende der konservativen Partei Recht und Gerechtigkeit Jaroslaw Kaczynski erneut von Deutschland Reparationszahlungen: “Wir müssen unsere Rechte einfordern, auch die, die sich aus der Geschichte ergeben. Die Franzosen bekamen Geld, die Juden bekamen Geld, viele andere Nationen wurden für ihre Verluste im Zweiten Weltkrieg entschädigt. Wir Polen bekamen nichts,” sagte Jaroslaw Kaczynski in Warschau.

Sechs Millionen Menschen in Polen wurden im Krieg getötet, die Hälfte von ihnen waren Juden. Nach einem missglückten Aufstand 1944 in Warschau wurde die polnische Haupstadt von deutschen Soldaten dem Erdboden gleichgemacht. Die lange belasteten Beziehungen zwischen beiden Staaten hatten sich zuletzt gebessert. Es wird jedoch befürchtet, dass sie durch die Forderungen von Kazcynski erneut schlechter werden.