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Tilos - die erste energieautarke Insel im Mittelmeer?


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Tilos - die erste energieautarke Insel im Mittelmeer?

Eine Insel, die in der Lage ist, sich eigenständig mit Strom aus erneuerbaren Energien zu versorgen: Auf dem griechischen Eiland Tilos soll das Realität werden. Futuris hat mit den Forschern gesprochen, die an dem Pionierprojekt arbeiten.

Tilos, eine kleine Insel mit nur 500 dauerhaften Bewohnerinnen und Bewohnern könnte zum Vorreiter für die Nutzung sauberer Energien werden. Tilos spielt eine wichtige Rolle bei einem ausgezeichneten EU-geförderten Forschungsprojekt. Das hat sich zum Ziel gesetzt, das Eiland zur ersten energieautarken Mittelmeerinsel zu machen. Mindestens 75 Prozent des Strombedarfs der Insel, die heute noch durch eine Unterwasserleitung zur Nachbarinsel Kos versorgt wird, soll in Zukunft durch Solar- und Windenergie gedeckt werden.

John Kaldellis, Maschinenbauingenieur aus Piräus erklärt: “Das System, an dem wir arbeiten, hat eine maximale Kapazität von 1000 Kilowatt, also einem Megawatt. Die Windkraft steuert 800 Kilowatt bei, die Sonnenenergie den Rest. Damit können wir den Energiebedarf der Insel sogar während der Hochsaison im August decken.”

Die größte Herausforderung für die Forscher war es, ein robustes Speichersystem zu entwickeln, das hybrid ist, also auch für konventionellen Strom genutzt werden kann. Die Wissenschaftler haben sich dazu entschieden, spezielle Natrium-Nickelchlorid-Batterien einzusetzen.

Flüchtlingsheim ist Teil des Projekts

“Diese Batterien funktionieren, egal ob es draußen sehr kalt oder sehr heiß ist”, so der italienische Elektrotechniker Marco Todeschini. “Sie sind vielseitig verwendbar und können einfach umgewandelt werden, je nachdem, ob gerade ausreichend erneuerbare Energien zur Verfügung stehen oder nicht.”

Die Photovoltaikmodule befinden sich nur wenige Kilometer vom Windpark entfernt. Die Energie aus beiden Anlagen soll in der Hybridstation zusammengeführt und von dort aus zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern transportiert werden. Projektkoordinator Dimitrios Zafirakis erklärt das Konzept: “Die komplette Plattform, die wir planen, besteht aus einer Hybridstation, in der der produzierte Strom ankommt. Dann gibt es eine zentrale Station, die wir SCADA nennen. Sie wird die Weiterleitung der Energie auf intelligente Art und Weise steuern und dafür sorgen, dass immer so viel Strom zur Verfügung gestellt wird, wie gebraucht wird. Mithilfe digitaler Stromzähler wird die Energie dann an die Haushalte und andere Nutzer verteilt.”

Dutzende dieser sogenannten smarten Zähler wurden schon in Wohnungen, Häusern und anderen Gebäuden installiert. So auch in diesem Flüchtlingsheim, in dem seit 2016 acht syrische Familien leben, insgesamt 45 Menschen. Der Strom zum Kochen, Heizen und die Energie für die Schule soll schon bald aus den Erneuerbaren kommen.

Die Forscher gehen davon aus, dass das komplette System 2018 in Betrieb genommen werden kann.

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