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Mehr Meeresschutz beim Kampf gegen den Klimawandel

Da die Meere maßgeblich unserer Klima beeinflussen, sollten sie besser geschützt werden. Ein Interview mit EU-Kommissar Karmenu Vella

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Mehr Meeresschutz beim Kampf gegen den Klimawandel

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Meere sind die Klimamaschinen unseres Planeten. Ihr Schutz ist essenziell für den Klimaschutz, so eine der Botschaften der UN-Klimakonferenz in Bonn unter dem Vorsitz der Pazifikinsel Fidschi. Fidschi bekommt die Folgen des Klimawandels schon zu spüren mit Wetterextremen, Wirbelstürmen zum Beispiel. Wegen des Meeresspiegelanstiegs beginnt die Regierung, Dörfer in höhere Lagen umzusiedeln.




Beim Schutz der Meere ist die Vermüllung eines der Schlagworte. Die Europäische Union hat sich zum Ziel gesetzt, den Müll im Meer bis 2020 um dreißig Prozent zu senken. Zumindest bei den zehn häufigsten Abfallarten, die an die Strände gespült werden. Heute werden nach Schätzungen der EU-Kommission pro Jahr zehn Millionen Tonnen Abfall ins Meer geworfen. Bis 2050 könnte es mehr Plastik als Fisch in unseren Ozeanen geben.



Wir sprachen am Rande der Weltklimakonferenz mit Karmenu Vella, dem EU-Kommissar für Umwelt, Meerespolitik und Fischerei.

Sasha Vakulina, euronews:
“Herr Kommissar, hier bei der Konferenz dringen viele darauf, Meeresschutz zu einer Priorität beim Kampf gegen den Klimawandel zu machen.”

Karmenu Vella:
“Die Meere sind zum großen Teil die Hauptklimaregulatoren, sie absorbieren neunzig Prozent der Wärme unseres Planeten, sie absorbieren gut dreißig Prozent des Kohlendioxids des Planeten, sie schaffen rund fünfzig Prozent des Sauerstoffs, den wir brauchen. Wir ziehen also großen Nutzen aus den Meeren.
Und was geben wir ihnen zurück? Wir geben ihnen eine Menge Plastikmüll, wir sorgen für ihre Übersauerung und Eutrophierung, also wir leiten zu viele Nährstoffe ein, wir verschmutzen und überfischen sie. Die Meere werden wärmer und wärmer, die Meeresspiegel steigen und wir sehen all diese Klimakatastrophen um uns herum, Überschwemmungen, Dürren und all das.”

euronews:
“Bis zu welchem Grad strebt die Europäische Union die Führung beim Klima- und Meeresschutz an?”

Karmenu Vella:
“Zuerst einmal, denke ich, reicht es nicht, jemanden zu haben, ob nun die Europäische Union oder jemand anders, der die Führung übernimmt. Denn dies ist ein globales Problem, und wir brauchen globale Lösungen, und, noch wichtiger, globale Handlungen. Kein einziges Land, kein einziger Kontinent kann allein mit diesem riesigen Problem fertigwerden. Deshalb: Ja, wir drängen, weil wir sehen, wie schnell gehandelt werden muss, weil wir sehen, dass die Bedrohungen und der Druck viel schneller zunehmen, als wir das gedacht haben. Was auch immer wir heute an Prävention machen, wird nicht sofort morgen Auswirkungen auf die Meere haben. Wenn wir heute die CO2-Emmissionen stoppten, würden die Meere immer noch über Jahrzehnte Kohlendioxid absorbieren. Wenn wir von heute an kein Plastik mehr in die Meere werfen, werden die Strudel weiterhin Plastik zusammenwirbeln, das vor Jahrzehnten ins Meer geschüttet wurde. Es muss also heute präventiv gehandelt werden, aber Abhilfe muss es ebenfalls weiterhin geben.”



euronews:
“Was sind die dringendsten Maßnahmen, die beim Meeresschutz ergriffen werden müssen?”

Karmenu Vella:
“Die dringlichste Maßnahme ist in meinen Augen allem voran, sofort den Kohlendioxidausstoß zu senken. Die zweite ist, die Ökosysteme wiederherzustellen. Denn wenn wir über die Absorption durch die Meere reden, dann geht es um Mangroven usw., die das Kohlendioxid aufnehmen. Also müssen wir das Ökosystem wiederherstellen. Das dritte Wichtige und Dringende ist, dass wir uns so schnell wie möglich gemeinsam auf etwas verständigen – denn wie gesagt, es nützt nichts, wenn jeder sein eigenes Ding macht. Wir müssen handeln, aber noch wichtiger: Wir müssen alle gemeinsam handeln.”



euronews:
“Die Leute haben öfter das Gefühl, dass es an den Regierungen und den großen Konzernen ist, Maßnahmen zu ergreifen. Auch wenn sie selbst im Alltag viel tun könnten, um zum Kampf gegen den Klimawandel beizutragen.”

Karmenu Vella:
“Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Da treffen Sie meiner Meinung nach den Nagel auf den Kopf. Warum? Weil die Leute, wenn sie sehen, dass all diese Fragen auf globaler Ebene diskutiert werden, bei internationalen Konferenzen, G7, G20 – weil die Leute zuerst einmal denken können: Das ist ein großes Problem, aber ich habe keine Lösung, die Regierungen müssen Lösungen finden. Nein! Jeder und jede von uns ist für dieses Desaster mitverantwortlich und muss Teil der Lösung sein…”



“… Zwei Beispiele: Wir sprechen über Plastikmüll in den Meeren, der die Artenvielfalt zerstört, der die Meeressäuger tötet, die Fische, der die Meere verseucht: Das geht am Ende darauf zurück, ob man Plastik benutzt oder nicht, und ob man sein Plastik einfach wegwirft, es recycelt oder nicht.
Wir reden über Emissionen, die den Klimawandel bedingen – und da geht es darum, welches Auto man fährt, eines mit hohem oder niedrigem Schadstoffausstoß, ob man öfter die öffentlichen Verkehrsmittel nutzt. Dies sind globale Fragen, aber es gibt individuelle Lösungen.”