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Mexikos Verschwundene: Register gegen das Vergessen

Mehr als 30.000 Vermisste im "innerstaatlichen Krieg" um Drogen

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Mexikos Verschwundene: Register gegen das Vergessen

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Jeden Tag geschehen 68 Morde in Mexiko, das Land gilt als der tödlichste Arbeitsplatz für Journalisten. Das seit drei Jahren ungelöste Verbrechen an 43 Studenten in Ayotzinapa steht für die Gefahr eines „scheiternden Staates“, in dem Drogenkartelle das Gewaltmonopol des Staates aushebeln. Die NGO “Data Civica” will mehr als 30.000 Vermisste durch ein Register dem Vergessen entreißen.

Monica Meltis, NGO “Data Civica”:

“Das ist eine klare Forderung an die Regierung. Wir sagen: ‘Sie haben die Möglichkeit, ein Register zu erstellen, das bequem, zuverlässig und vollständig ist.”


Mexiko hat die Hälfte mehr Einwohner als Deutschland (123 gegenüber 82 Millionen), im ersten Halbjahr 2016 wurde dort aber 22mal so viele Menschen ermordet.

Maria Guadelupe Fernandez – sie sucht seit 2009 ihren Sohn Jose Antonio Robledo:

“Die Welt sollte von den Daten erfahren. Das Register soll es ein nützliches Werkzeug für Familien sein, aber auch die Brutalität der Fälle gewaltsamen Verschwindens der Welt bekannt machen, weil in Mexiko die Menschenrechte der Opfer verletzt werden und jeder Tag Leute verloren gehen.”

Von 2006 bis 2016 hat der Drogenkrieg in Mexiko mehr als 185.000 Opfer gefordert. Seit Jahren bekämpfen sich rund 50.000 Armeeangehörige, 35.000 Bundespolizisten und schätzungsweise 300.000 Angehörige der mexikanischen Drogenkartelle. Das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung stufte den Konflikt seit 2010 als “innerstaatlichen Krieg” ein.


Die Jahresumsätze aller illegalen Geschäftstätigkeiten zusammen schätzen Experten auf mehr als 100 Milliarden Dollar (85 Milliarden Euro) – ein Zehntel des mexikanischen Bruttoinlandsprodukts.

Hauptabnehmer von Drogen aus Mexiko sind die USA – außerdem wichtigster Waffenlieferant für den Drogenkrieg.


Außenministerin Hillary Clinton (2009) über die Verwicklung der USA: “Unsere unersättliche Nachfrage nach illegalen Drogen facht den Drogenhandel an”, sagte sie bei einem Besuch in Mexico City. “Unsere Unfähigkeit, den illegalen Waffenschmuggel über die Grenze zu verhindern, verursacht den Tod von Polizisten, Soldaten und Zivilisten.”

Sigrid Ulrich mit Reuters, dpa