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Amische leben 10 Jahre länger: Seltene genetische Mutation gefunden

Einige Mitglieder der amischen Gemeinde besitzen eine Genmutation, die den Alterungsprozess verzögert und das Risiko von altersbedingten Krankheiten reduziert.

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Amische leben 10 Jahre länger: Seltene genetische Mutation gefunden

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Wer träumt nicht von einem langen und gesunden Leben?

Für einige Anhänger der Religionsgemeinschaft der Amischen ist ein Leichtes: Bei ihnen tritt ein Gen auf, das den Alterungsprozess beeinflusst.

Forscher fanden heraus, dass Träger des Gens durchschnittlich 10 Jahre länger leben. Die Studie wurde in einer Amisch-Gemeinde in Berne, Indiana durchgeführt und im Fachmagazin “Science Advances” veröffentlicht.

Studienautor Prof. Douglas Vaughan von der Northwestern University Feinberg School of Medicine in Chicago sprach von einer “erstrebenswerten Form der Langlebigkeit”.

Gemeinsam mit Wissenschaftlern der Tohoku Universität in Japan soll ein Medikament entwickeln werden, das den Effekt der Genveränderung imitiert.

Serpine1, das Wundergen?

Für die Wissenschaft eröffnet der Fund völlig neue Perspektiven, vor allem um altersbedingte Krankheiten wie Diabetes, Herzkreislaufstörungen oder Alzheimer zu bekämpfen.

“Es ist die erste genetische Mutation beim Menschen, die offenbar eine Auswirkung auf verschiedene biologische Prozesse im Körper hat, die mit dem Altern zusammenhängen”, so Professor Douglas.

Das mutierte Gen mit dem Namen Serpine1 fanden die Forscher bei 43 der 177 Studienteilnehmer (Männer und Frauen zwischen 18 und 85 Jahren) der Old Order Amish aus der Stadt Berne.

Die Träger des Gens lebten im Schnitt bis 85, und damit 10 Jahre länger als diejenigen, bei deren DNS das Gen nicht mutiert hat.

Serpine1 regt normalerweise die Bildung eines Proteins namens PAI-1 (Plasminogen-Aktivator-Inhibitor) an, ein Hemmstoff bei der körpereigenen Auflösung von Blutgerinnseln.

Die Forscher gehen davon aus, dass das mutierte Serpine1-Gen zu einem Rückgang der Produktion von PAI-1 führt. Auch Tierversuche hatten nahegelegt, dass das Protein einen Einfluss auf den Alterungsprozess hat.

Gesunde Lebensweise spielt auch eine Rolle

Die Amish leben im Norden Amerikas und in Kanada. Sie pfelgen einen gesunden Lebensstil und sind nicht zuletzt wegen ihrer geografischen und genetischen Isolation ein ideales Studienobjekt für Wissenschaftler.

Amische Gemeinden lehnen die meisten Aspekte modernen Lebens ab: Sie fahren Kutsche, kleiden sich altmodisch und haben weder Internet noch elektronische Geräte.

Die täuferisch-protestantische Glaubensgemeinschaft hat ihre Wurzeln in der Schweiz und Süddeutschland, untereinander sprechen sie meist Pennsylvaniadeutsch.