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Libanon: Spielball der Mächte - 5 Punkte zum besseren Verstehen

Saudi-Arabien und der Iran streiten um den Einfluss in einem kleinen Land. Worum geht es beim Konflikt im Libanon?

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Libanon: Spielball der Mächte - 5 Punkte zum besseren Verstehen

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Nach dem angekündigten Rücktritt von Saad Hairiri will jetzt Frankreich vermitteln, weil viele befürchten, dass sich die Krise im Libanon zu einen neuen Konflikt im Nahen Osten verschärft. Um besser zu verstehen, worum es geht, einige Informationen zum Zedernstaat und dem Stellvertreterkonflikt.

Vor Kriegen geflohen: Libanesen im Ausland

Der Libanon ist ein kleines Land, das auch Zedernrepublik genannt wird, der Baum ziert die libanesiche Fahne. Es hat etwa 4,5 bis 6 Millionen Einwohner. Diese Zahl ist eine Schätzung. Nur ungenaue Angaben gibt es auch zur Zahl der Libanesen, die im Ausland leben. Zur sogenannten Diaspora werden zwischen 4 und 14 Millionen Libanesen gezählt. Allein während des Krieges im Libanon von 1975 bis 1990 flohen etwa 800.000 Libanesen ins Ausland.

Die meisten Libanesen sind nach Südamerika ausgewandert – vor allem nach Brasilien und Argentinien, aber auch in die USA, Kanada und Australien, sowie nach Frankreich. Französisch ist die Sprache der Elite im Libanon.

So viele Flüchtlinge aus Syrien wie in keinem anderen Land

Seit Beginn des Krieges im Nachbarland Syrien sind von dort etwa 1,5 Millionen Flüchtlinge gekommen. Damit ist der Libanon das Land, das im Vergleich zur eigenen Bevölkerung die meisten Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen hat: etwa ein Viertel der Einwohner sind syrische Flüchtlinge.

Es gibt mehr als 3.000 Flüchtlingslager im Libanon. Die meisten Geflohenen leben in der Bekaa-Ebene.

Saudi-Arabien, Iran und die Hisbollah

Der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran dreht sich um die Macht in der Region. Die beiden Staaten gelten als Erzfeinde. Im Jemen liefern sie sich schon einen sogenannten Stellvertreterkrieg.
Im Libanon agiert die vom Iran unterstützte schiitische Hisbollah-Miliz nicht nur militärisch, sondern bestimmt auch die Wirtschaft und die Politik mit. Im libanesischen Parlament hat die Hisbollah derzeit 14 Abgeordnete.

Nicht ganz klar sind die Ziele des saudischen Kronprinzen Muhammad Bin Salman, der auch MBS genannt wird. Doch der Machtkampf gegen den Iran liegt auf der Linie der kämpferischen Sprache, die US-Präsident Donald Trump gegenüber dem Iran verwendet.

Der libanesische Ministerpräsident Saad Hariri hatte seinen Rücktritt am 4. November 2017 von der saudischen Hauptstadt Riad aus verküdet.

Der Iran lässt vor allem den Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah sprechen, der sich einen Krieg der Worte mit Saudi-Arabien liefert. Doch er ist auch Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Hisbollah, die mit russischen und chinesischen Waffen ausgerüstet sind. Die Hisbollah liefert sich einen Kampf gegen Israel.


Religion im Hintergrund: Sunniten und Schiiten

In Saudi-Arabien ist der Wahabismus Staatsreligion, das Land mit etwa 30 Millionen Einwohnern steht für einen sehr konservativen sunnitischen Islam, eine Art Salafismus. Die meisten Muslime auf der Welt sind Sunniten.

Im Iran leben etwa 80 Prozent Schiiten und der schiitische Islam ist Staatsreligion.
In den vergangenen Jahren kommt es im Nahen Osten vermehrt zu Konflikten zwischen Sunniten und Schiiten.

Im Libanon gibt es in etwa 54 Prozent Muslime – davon etwa die Hälfte Sunniten und die andere Hälfte Schiiten- und mehr als 40 Prozent Christen.

Verteilung der Macht nach Religionsgruppen

Um Konflikten vorzubeugen, werden im Libanon die wichtigsten Ämter des Staates auf Vetreter der wichtigsten Religionen des Landes verteilt.

Der Präsident muss *maronitischer Christ*sein – seit 2016 ist es Michel Aoun. Bevor der 82-jährige Ex-General gewählt wurde, hatte der Libanon zwei Jahre lang keinen Präsidenten. Michel Aoun gilt als Verbündeter der Hisbollah. Er lehnte den Rücktritt von Saad Hariri ab, solange dieser nicht in Beirut sei. Aoun sagte auch, Hariri werde von Saudi-Arabien festgehalten und könne nicht frei sprechen.

Der Regierungschef muss sunnitischer Muslim sein – Saad Hariri hat seinen Rücktritt am 4. November 2017 bekanntgegeben. Sein Vater Rafiq Hariri war langjähriger Ministerpräsident und wurde am 14. Februar 2005 bei einem Bombenanschlag auf sein Fahrzeug ermordet. Bei dem Anschlag kamen auch 22 weitere Personen ums Leben. Die Hintergründe des Angriffs wurden nie wirklich geklärt.

Der Parlamentspräsident muss schiitischer Muslim sein – seit 1992 hat Nabih Berri dieses Amt inne.

Mehr zum Unterschied zwischen Sunniten und Schiiten.