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Was Sie über Ruthenium-106 und die radioaktive Wolke über Europa wissen müssen

Was hat es mit den Extremwerten radioaktiver Substanzen in den vergangenen Wochen auf sich?

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Was Sie über Ruthenium-106 und die radioaktive Wolke über Europa wissen müssen

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Nachdem die russischen Behörden den Verdacht erst zurückgewiesen haben, hat die Wetterbehörde ihn nun doch bestätigt.

Die in Frankreich und Deutschland gemessenen Extremwerte einer radioaktiven Substanz sind im Uralgebirge entstanden.

Doch woher stammt sie? Sind sie gefährlich für den Menschen? Müssen wir bestimmte Lebensmittel vermeiden?

Alles Wissenswerte im Überblick:

Ausgangslage
Seit Ende September 2017 wurde in mehreren europäischen Ländern das chemische Element Ruthenium-106 nachgewiesen.

Was ist Ruthenium-106
Ruthenium-106 ist ein radioaktives Isotop, das nicht natürlich vorkommt. Auch schon kleine Mengen in der Atmosphäre weisen daher auf einen Zwischenfall hin.

Der Stoff entsteht bei der Spaltung von Atomen in Nuklearreaktoren und wird bei bestimmten medizinischen Therapien eingesetzt.

Anders Ringborn, eine Forscher am schwedischen Forschungsinstitut für Verteidigungspolitik erklärte, Ruthenium sei das letzte Mal nach dem Atomunfall 1986 in Tschernobyl in der Atmosphäre gemessen worden.

Besteht eine Gefahr
Gemessen wurde Ruthenium-106 in Budapest, Bukarest, Stockholm, Prag, Mailand, Berlin. Allerdings geben Experten Entwarnung: Die gemessene Menge stelle keine Bedrohung für die Menschen in Westeuropa dar.

Auch in Nizza, Ajaccio und Seyne-sur-Mer nahe Toulon konnte Ruthenium sowie in Österreich und Italien nachgewiesen werden.

Nach Einschätzung des französischen Instituts für Strahlenschutz und nukleare Sicherheit IRNS hätte die Menge an ursprünglich freigesetztem Ruthenium-106 in Frankreich eine Evakuierung in einem Radius von mehreren Kilometern um die Unfallstelle nach sich gezogen.

Auch Obst und Gemüse das in einem Radius von 20, 30 oder 40 Kilometern um die Ausbruchstelle produziert wird, wäre in Frankreich verboten worden.

Eine Beunruhigung bestand vor allem deswegen, weil auch beim Tschernobyl-Unglück im Jahr 1986 vielerorts zunächst eine erhöhte Radioaktivität gemessen bevor der Unfall öffentlich wurde.

Wo kam das Ruthenium her?
Sowohl das IRSN als auch das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz schätzten, dass das Ruthenium im südlichen Uralgebirge ausgebrochen sein müsste.

Die russische Agentur für Atomenergie Rosatom widersprach diesem Verdacht. Außer in Sankt Petersburg sei zwischen dem 25. September und dem 7. Oktober kein Ruthenium gemessen worden.

Doch dann veröffentlichte die russische Wetterdienst am 20. November Messungen, die mit den Funden der deutschen und französischen Behörden übereinstimmen.

Die höchste Konzentration von Ruthenium wurde nach Angaben von Greenpeace Russland rund um die kerntechnische Anlage Majak gemessen.

Verantwortliche der von Rosatom betriebenen Anlage Atomanlage haben die Anschuldigungen zurückgewiesen, wonach das ausgetretene Ruthenium aus der Anlage stammt.

1957 hatte war es dort zu dem größten Atomunfall der Geschichte gekommen und große Mengen radioaktiver Substanzen wurden freigesetzt.

Doch auch im benachbarten Kasachstan dementieren die Behörden jeglichen Unfall in einer Nuklearanlage.

Warum kam eine radioaktive Wolke nach Europa?

Die von Roshydromet veröffentlichten Daten geben auch über die Wetterlage zur Zeit des Zwischenfalls Auskunft. Diese schob die radioaktive Wolke in Richtung Nordeuropa und des Mittelmeerraums.

Laut IRSN blasen die Winde gewöhnlicherweise von West nach Ost und hätten die Wolke in die gegensätzliche Richtung getragen.

Die folgende Karte zeigt die Menge radioaktiver Substanzen in Europa und zeichnet den Weg der Wolke nach.

Was jetzt?

Wegen der widersprüchlichen Aussagen der russischen Behörden schätzt Jean-Christophe Gariel vom IRSN schätzt die Chancen, dass es in dem Fall bald Fortschritte gibt, für gering ein.

Greenpeace Russia hat bei der Staatsanwaltschaft eine Untersuchung wegen möglicher Verheimlichung eines nuklearen Unfalls.