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Mladić in Den Haag: als Held verehrt, als Massenmörder gehasst

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Mladić in Den Haag: als Held verehrt, als Massenmörder gehasst

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Eine lange Geschichte geht zu Ende: Vor dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag wird am Mittwoch das Urteil gegen Ratko Mladić erwartet. Der bosnisch-serbische General wurde bereits in erster Instanz zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt. Er gilt als Hauptverantwortlicher für den Völkermord an den Muslimen von Srebrenica 1995.

Bis heute schlagen die Emotionen hoch bei dem Thema. Während Mladić in Serbien oft noch als Held verehrt wird, hoffen die Verwandten der Ermordeten auf die Höchststrafe.

“Solange die Kameras an waren, hat er Schokolade und Bonbons an die Kinder verteilt”, erinnert sich Munira Subašić, Präsidentin der Organisation Mütter von Srebrenica. “Er sagte, es würde nichts Schlimmes passieren. Als die Kameras weg waren, ordnete er an, alle zu töten, sie zu vergewaltigen; und am Ende befahl er, alle aus Srebrenica zu verjagen, um eine ethnisch gesäuberte Stadt zu schaffen.”

Ein Video aus einem Bus voll mit bosnischen Flüchtlingen ging um die Welt. Es zeigt Mladić, der den Insassen eine sichere Reise verspricht. Eine Farce angesichts der etwa 8.000 Toten, die Mladićs mordende Truppen hinterließen. An Mladićs Auftritt in dem Bus kann sich Mujo Podžić nicht mehr erinnern, er war damals erst eineinhalb Jahre alt. Trotzdem bewegen ihn die Ereignisse noch heute: “Er hat so viele in Žepa und Srebrenica getötet, auch meinen Großvater und meinen Onkel. Sie sind in Potočari begraben. Ich hatte nichtmal die Chance, sie zu treffen.”

In Potocari steht heute eine Gedenkstätte für die Opfer des Massakers von Srebrenica. 1995 suchten die bosnischen Muslime in dem Örtchen Zuflucht bei UN-Soldaten. Doch auch die konnten sie nicht gegen die bosnisch-serbischen Soldaten schützen.

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