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Rohingya-Flüchtlinge: ausgegrenzt, diskriminiert und ohne Zukunft

Trotz Rückführungsabkommen zwischen Myanmar und Bangladesch: Die Rohingya befürchten, nicht ihr Hab und Gut, zurückzubekommen - geschweige denn die Staatsbürgerschaft in Myanmar zu erhalten.

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Rohingya-Flüchtlinge: ausgegrenzt, diskriminiert und ohne Zukunft

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Sie sind vor religiösem Hass und Gewalt zu Hunderttausenden aus Myanmar geflohen. Jetzt leben die Rohingya-Flüchtlinge in notdürftigen Lagern in Bangladesch. Mehr als die Hälfte der muslimischen Minderheit sind Kinder. Viele sind traumatisiert, Einer von ihnen ist der zehnjährige Mohammed:

"Ich kam vor einem Monat hierher. Mein Onkel und mein Cousin wurden getötet. Meine Mutter, die psychisch krank war, wurde verbrannt. Mein Vater ist hier, aber er wurde angeschossen", erzählt der zehnjährige Mohammed Kasim.

Mit Hilfsdiensten oder Anstehen für Hilfsgüter versuchen die Kinder, ihr aus den Fugen geratenes Leben zu meistern. Bangladesch beherbergt mittlerweile mehr als 600.000 Neuankömmlinge, seit Ende August der Exodus von Menschen aus Myanmar begann. Auslöser sollen Angriffe von militanten Rohingyas auf Armeeposten gewesen sein, woraufhin das Militär massiv gegen die muslimische Bevölkerungsgruppe vorging - laut Vereinten Nationen ein Beispiel für ethnische Säuberungen.

Ethnischer Konflikt

Myanmar erkennt die Rohingya als Minderheit nicht an und betrachtet sie als illegale Einwanderer, obwohl sie bereits seit Generationen dort leben. Vor fast 200 Jahren holten die britischen Kolonialherren die Muslime als billige Arbeitskräfte von Bangladesch ins damalige Burma.

Die beiden Länder unterzeichneten gerade ein Rückführungsabkommen, das Human Rights Watch als Witz bezeichnete. Auch viele Rohingya befürchten, dass man ihnen nicht ihr Hab und Gut zurückgibt, geschweige denn, dass sie die Staatsbürgerschaft in dem Vielvölkerstaat erhalten. Die Zukunft bleibt unsicher.

Dank dem 10-Kilo-Sack Reis, den Linsenkeksen und dem Milchpulver, für das die elfjährige Sajeda angestanden ist, kann die fünfköpfige Familie zwei Wochen lang überleben. Das Leben ist hart in den engen Wellblechhütten. Tagsüber ist es sehr heiß, abends sehr kalt. Sajedas Dorf in Myanmar wurde vom Militär angegriffen. Sie sah, wie ihr Vater von Soldaten getötet wurde. Trotz allem hat das Mädchen Hoffnung: Sie geht in die provisorische Koranschule. Sajeda will lesen lernen und später als Schneiderin für das Überleben ihrer Familie sorgen.

Religiöse Kontraste in Myanmar und Bangladesch

In Bangladesch ist der Islam die Staatsreligion, in Myanmar sind 90 Prozent der Einwohner Buddhisten - der religiöse Kontrast beider Länder könnte kaum größer sein. Nur vier Prozent der Einwohner Myanmars zum Beispiel sind muslimischen Glaubens. Die meisten von ihnen zählen zur verfolgten ethnischen Minderheit der Rohingya. In Bangladesch hingegen ist der Islam seit 1988 offizielle Staatsreligion - Hindus, Buddhisten und Christen machen insgesamt nur zehn Prozent der Bevölkerung aus.