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Vom Thron in den Hühnerstall: Michael I. von Rumänien

In Rumänien ist die Monarchie zwar längst abgeschafft, aber die Königsfamilie gibt es immer noch: einer der letzten öffentlichen Auftritte von König Michael I.

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Vom Thron in den Hühnerstall: Michael I. von Rumänien

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In Rumänien ist die Monarchie zwar längst abgeschafft, aber die Königsfamilie gibt es immer noch: einer der letzten öffentlichen Auftritte von König Michael I. in Bukarest 2013. Im März 2016 wurde bekannt, dass er an Leukämie erkrankt ist. Damals gab er seine Aufgaben an seine Tochter, Prinzessin Margarita von Rumänien (67), ab und zog sich ins Exil in die Schweiz zurück.

Am 1. August 2016 starb seine Frau, Königin Anne von Rumänien, mit 92 Jahren. Sie wurde in Rumänien beigesetzt. Aufgrund seiner labilen Gesundheit konnte Michael die Reise aus der Schweiz nicht mehr auf sich nehmen - er fehlte bei der prunkvollen Zeremonie.

Michael - ein Cousin 3. Grades von Elisabeth II. - war knapp sechs Jahre alt, als er das erste Mal den Thron bestieg. Sein Vater, Kronprinz Karl, war mit seiner Geliebten außer Landes geflohen. Er musste 1926 auf die Thronfolgerechte verzichten. 1930 kehrte Karl allerdings aus dem Exil aus Paris zurück und regierte bis 1940.

Der antideutsche König wurde von der nazifreundlichen Regierung zur Abdankung gezwungen. Mit 18 Jahren wurde Michael zum zweiten Mal König, aber ohne große Befugnisse. 1944 unternahm er seine wichtigste Amtshandlung: Er ließ den damaligen Regierungschef, Marschall Ion Antonescu verhaften und erklärte dem bis dahin mit Rumänien verbündeten Deutschland den Krieg.

1947 dankte Michael auf Druck der Kommunisten ab und floh in die Schweiz. Dort verdiente er seinen Lebensunterhalt mit Geflügelzucht, als Testpilot sowie als Börsenmakler. Mit seiner Frau, die er 1948 heiratete, bekam er fünf Töchter, die alle im Exil geboren wurden.

Der Fall des Kommunismus änderte nichts an seinem Status. Ab 1990 versuchte er mehrmals - wie hier 1994 - nach Rumänien zurückzukehren: "Ich bin hier, um der Regierung die Möglichkeit zu geben, dem rumänischen Volk und mir eine klare Antwort auf die entscheidende Frage zu geben: Versöhnung oder nicht?" Seine Frage wurde nicht gehört. Er musste weitere drei Jahre warten, um seinen rumänischen Pass und später auch viele Immobilien zurückzubekommen.

Seit dieser Zeit pendelte die Königsfamilie zwischen der Schweiz und Rumänien. Zwar durfte er dort in seinen glanzvollen Palästen wohnen, war aber weit weg von jeglicher politischer Macht. König Michael erfreute sich immer noch großer Beliebtheit im Volk, aber nur noch knapp ein Drittel der Bevölkerung ist für eine Wiedereinführung der Monarchie.