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Klimakiller Bitcoin ?

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Eine einzige Bitcoin-Überweisung verbraucht nach Expertenschätzung 250 Kilowattstunden – so viel Strom wie ein Amerikaner in einer Woche. Laut dem niederländischen Wirtschaftsexperten Alex de Vries („Digiconomist“) benötigt die Bitcoin-Welt zur Erzeugung der Kryptowährung im Jahr mittlerweile fast so viel Strom wie die gesamte dänische Volkswirtschaft – 32,4 Terawattstunden. Mit 29,5 Terawattstunden erreiche Bitcoin immerhin bereits den Energiehunger von Marokko. Sein Horrorszenario: Angesichts des massiven Kursanstiegs könnte die Kryptowährung bis Mitte 2019 so viel Strom verbrauchen wie die gesamte USA. Nur ein Jahr später würde sie so viel Energie benötigen wie die ganze Welt. Lediglich der technische Fortschritt in der Chip-Entwicklung könnte dem wachsenden Energiehunger Einhalt gebieten.

Je größer der Hype und damit der Wert eines Bitcoin, desto mehr Rechenleistung ziehe das Netzwerk an – desto „rentabler“ der Riesen-Rechenaufwand zur Herstellung der Kryptowährung. Angesichts steigenden Stromverbrauchs warnen einige Beobachter, Bitcoin und ähnliche Kryptowährungen könnten den Übergang zu sauberen Energien und den Kampf gegen die Erderwärmung gefährden.

ENERGIEFRESSER BITCOIN-HERSTELLUNG

Ein Energiefresser ist vor allem die Herstellung. In den Anfängen noch auf dem heimischen PC möglich, werden Bitcoins heute in Rechenzentren hergestellt, spezielle Prozessoren graben in Serverfarmen nach Bitcoins. Die stehen dort, wo der Strom billig ist, etwa in China. Die Erzeugung von Bitcoins benötigt damit sehr viel mehr Energie als herkömmliche Zahlungssysteme. Aktuell werden laut de Vries die größten Bitcoin-Mengen in chinesischen Serverfarmen gewonnen, die mit Kohlestrom betrieben werden. Jede in der Inneren Mongolei geschürfte Bitcoin werde so mit einem CO2-Ausstoß von 8 bis 13 Tonnen „erkauft“. In Nordamerika und Nordeuropa werde teilweise Wasserkraft zum Bitcoin-Mining genutzt.

Aber auch der Geldverkehr stellt eine Armada von ökologisch bedenklichen Heizlüftern in den Schatten. Jede Bitcoin-Überweisung wird von Tausenden Computern gleichzeitig überprüft und mit Verschlüsselungsalgorithmen abgesichert.

 

RISIKEN DER KURSEXPLOSION

Seit Jahresbeginn ist der Wert einer Einheit der Digitalwährung von 1.000 auf über 16.000 US-Dollar gestiegen. Gleichzeitig schwankt der Kurs immer stärker; binnen weniger Stunden um tausende von Dollar. Die US-Handelsplattform CBOE hat den ersten Bitcoin-Terminkontrakt angekündigt, der weltweit größte Börsenbetreiber CME will folgen. Die Zahl der Bitcoins im Umlauf beträgt zurzeit etwa 17 Millionen. Der Programmcode beschränkt die maximale Zahl auf 21 Millionen.

Nach Schätzungen sind Informationstechnologien wie Internet und Mobilfunk heute für zehn Prozent des weltweiten Stromverbrauchs verantwortlich. Laut de Vries‘ Hochrechnungen verbrauchen etwa die VISA-Rechenzentren genausoviel Energie wie 50.000 US-Haushalte.

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Sigrid Ulrich