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Schwedens Mutter Courage

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Schwedens Mutter Courage

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Angst vor dunklen Straßen? Kennt Fatma Ipek Alci nicht. Sie ist 63 Jahre alt, hat sieben Kinder, ist Türkin - und wurde von der schwedischen Zeitung Aftonbladet zur "Heldin des Jahres" gekürt.

Fatma Ipek Alci erhielt den Preis für ihr Engagement in der Nachbarschaftshilfe. Sie gehört zu einer Gruppe "Super-Mütter", die sich auf Schwedens Straßen Respekt verschaffen. Zusammen mit 20 anderen türkischen Frauen geht sie freitags- und samstagsnachts durch den Vorort Fittja, um dort Jugendliche zu beruhigen und in ihre Schranken zu weisen. Dadurch gibt es weniger Übergriffe und Sachbeschädigungen.

Der Zeitung "The Local" sagte sie, "unser Projekt gibt es seit zwei Jahren. Es hat sich einiges getan. Die Menschen in unserem Viertel fühlen sich sicherer. Ich hoffe, in der Zukunft wird es noch besser."

Problemviertel

Seit einigen Jahren kämpft Fittja mit sozialen Problemen. 2015 wurde es von der schwedischen Polizei zu einem von sechs Risiko-Vierteln erklärt. Viele Menschen dort sind türkischstämmig. Wie Alci erklärt, spielt die Mutter in der türkischen Kultur eine wichtige Rolle. Junge Leute bringen ihr Respekt entgegen, den sich die türkische Polizei nur schwer verschaffen kann.

"Viele finden uns gut, sie kommen und grüßen uns. Andere schämen sich, weil sie sich vor Müttern daneben benehmen. Das Gute daran ist: Die Kinder hören auf uns. Sie gehen weg oder hören auf, Blödsinn zu machen."

Frauen-Power

Eigentlich planten die "Super-Mütter", auch Männer auf die nächtlichen Touren mitzunehmen. Doch die hatten offenbar ein Problem damit, dass die Frauen das Sagen haben und im Viertel für Ordnung sorgen, erinnert sich Alci: "Da gab es einige, die wollten uns lieber zu Hause sitzen sehen." Aber sie setzte ihre Idee durch. Auf der Preisverleihung in Stockholm dankte sie ganz besonders ihren Mitstreiterinnen:

"Ich habe diesen Preis im Namen der türkischen Frauen erhalten, die alle Heldinnen sind", sagte Alci, die seit 30 Jahren in Schweden lebt.