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Sacharow-Preis für geistige Freiheit geht nach Venezuela

In Straßburg hat das Europäische Parlament den Sacharow-Preis für geistige Freiheit 2017 an die "demokratische Opposition" in Venezuela verliehen.

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Sacharow-Preis für geistige Freiheit geht nach Venezuela

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In Straßburg hat das Europäische Parlament den Sacharow-Preis für geistige Freiheit 2017 verliehen. Die Auszeichnung ging an die "demokratische Opposition" in Venezuela. Das Parlament ehrt damit nach eigenen Angaben den Einsatz der Nationalversammlung und politische Gefangene in dem südamerikanischen Land. Europaparlamentspräsident Antonio Tajani sagte: "Indem wir diesen Preis vergeben, verteidigen wird die Verfassung, die Institutionen und die Gewaltenteilung. Das ist die Basis der Demokratie."

Venezuela befindet sich in einer schweren politischen und wirtschaftlichen Krise. Im vergangenen März entzog der Oberste Gerichtshof der Nationalversammlung die gesetzgebende Gewalt. Der sozialistische Staatspräsident Nicolas Maduro genießt fast uneingeschränkte Macht.

Die Preisvergabe war am Mittwoch in Straßburg nicht unumstritten. Gabi Zimmer sieht die Verleihung kritisch. Sie ist Abgeordnete aus Deutschland für Die Linke: "Wenn wir den Preis an eine politische Partei vergeben, was die demokratische Opposition ja ist, dann greifen wir damit in die Situation in Venezuela ein, und das ist nicht der Sinn des Sacharow-Preises."

Der Sacharow-Preis für geistige Freiheit ist nach dem Friedensnobelpreisträger Andrei Sacharow benannt und mit 50.000 Euro dotiert. Er wird seit 1988 an Personen und Organisationen verliehen, die sich für Menschenrechte und Meinungsfreiheit einsetzen.

Sacharow: von der Atombombe zum Friedensaktivisten

Andrei Dmitrijewitsch Sacharow wurde 1921 in Moskau geboren. Der Physiker gilt als Vater der sowjetischen Wasserstoffbombe, viele Erkenntnisse der frühen Kernforschung gehen auf ihn zurück.

Zunächst ein Verteidiger der nuklearen Aufrüstung zur Schaffung eines nuklearen Gleichgewichtes zwischen den Großmächten, wandelte sich Sacharow später zum Gegner von Atombombentests mit dem Argument, auch diese Tests würden auf lange Sicht Tote zur Folge haben, beispielsweise durch die entstehenden radioaktiven Produkte – eine Prognose, die angesichts der heutigen Erkenntnisse im Testgebiet Französisch-Polynesien kaum von der Hand zu weisen ist.

Vom Atomwaffenkritiker zum erklärten Staatsfeind der Sowjetunion war es dann nur ein kleiner Schritt. Sacharow engagierte sich für politische Gefangene und kritisierte die Politik seines Landes.

Schließlich wurde er in die Isolation verbannt. Erst der Reformpolitiker und Staatspräsident Michail Gorbatschow rehabilitierte Sacharow. 1989, ein Jahr nach Verleihung des ersten Sacharow-Preises durch das Europäische Parlament, starb Andrei Dmitrijewitsch Sacharow in seiner Heimatstadt Moskau.