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"Eroica" zum Auftakt der Ära Noseda in Washington

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"Eroica" zum Auftakt der Ära Noseda in Washington

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Er ist einer der großen Dirigenten seiner Generation: Gianandrea Noseda hat in diesem Herbst die musikalische Leitung des National Symphony Orchestra in Washington übernommen. Für den Auftakt seiner Amtszeit wählte der Italiener Beethovens dritte Sinfonie – die Eroica. Eine symbolische Wahl: “Die Eroica markiert einen Wendepunkt”, erläutert er. “Bis dahin dauerte die längste Sinfonie 31 bis 32 Minuten. Beethoven dehnte das bei dieser Sinfonie auf über fünfzig Minuten aus. Bis dahin war auch die Struktur einer Sinfonie viel simpler. Ich will nicht mit der Tradition dieses Orchesters brechen, aber die Eroica ist wie eine Art Säule – sie steht einfach für sich selbst.”



Nurit Bar-Josef spielt die erste Geige, als Konzertmeisterin ist sie Nosedas rechte Hand. “Technisch – und das ist die Schönheit bei Beethoven – ist alles, was er schrieb, genau am richtigen Platz beim Instrument, und es fühlt sich immer gut an, das zu spielen. Die Schwierigkeit liegt eher darin, den Bogen so zu kontrollieren, dass man die verschiedenen Töne und Dynamik hinbekommt, die er wollte.”

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Ich will nicht mit der Tradition dieses Orchesters brechen, aber die Eroica ist wie eine Art Säule - sie steht einfach für sich selbst.

Gianandrea Noseda Dirigent

1803 komponiert, ist die dritte Sinfonie eine Ode an die Ideen der französischen Revolution. Beethoven war zunächst auch Anhänger von Napoleon. “Er wollte diese Sinfonie Napoleon Bonaparte widmen – und das tat er anfangs auch”, erzählt Noseda. “Aber dann erhielt er die Nachricht, dass Napoleon sich selbst zum Kaiser gekrönt hatte – und da strich er den Namen Napoleon. Es ist sogar ein Loch im Manuskript an der Stelle geblieben. Der Trauermarsch im zweiten Satz ist also ein Trauermarsch für all die großen Visionen, die Ideale, von denen er geglaubt hatte, dass Napoleon sie erfüllen würde.”

Zu seinen eigenen Zielen bei seinem Engagement beim National Symphony Orchestra sagt Noseda: “Mein Ehrgeiz ist, schlicht konsequent stets die höchstmögliche Qualität zu liefern. Die Konkurrenz ist weltweit sehr hart. Es reicht nicht, fähig zu sein – man muss außergewöhnlich fähig sein!”

Bar-Josef meint: “Es ist meistens erfrischend, einen neuen Musikdirektor zu haben und damit einen neuen Blick auf die Dinge. Das Schöne an Maestro Noseda ist: Wenn er auf das Dirigentenpult steigt, dann bringt er einen eigenen Klang mit sich, und ich habe den Eindruck, der Klang dieses Orchesters ist wirklich – der ist größer als das Leben!”

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