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Proteste gegen drohende Abschiebung aus den USA

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Proteste gegen drohende Abschiebung aus den USA

Proteste gegen drohende Abschiebung aus den USA
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Mit öffentlichem Protest in Washington haben in den USA lebende Menschen aus El Salvador auf den Verlust ihres Aufenthaltsrechts (TPS - Temporary Protected Status) reagiert. Es war ihnen nach einer Erdbebenwelle in ihrem Heimatland 2001 gewährt worden. Das Beben hatte rund 1.000 Menschen getötet und hunderttausende Häuser zerstört.

Fast 200.000 Menschen aus El Salvador haben seit mehr als einem Jahrzehnt in den USA gelebt und gearbeitet, mindestens 190.000 Kinder wurden dort geboren. Sie müssen nun bis September 2019 die USA verlassen oder einen neuen Weg suchen, um legal bleiben zu können.

Das Heimatschutzministerium war nach eigenen Angaben zu dem Schluss gekommen, dass sich die Bedingungen in El Salvador mittlerweile gebessert hätten. Ein andauernder Schutzstatus sei daher nicht mehr gerechtfertigt.

Zuvor war das befristete Bleiberecht mehrere Male verlängert worden.

SCHUTZ NACH BEWAFFNETEN KONFLIKTEN UND NATURKATASTROPHEN

Das Gesetz aus dem Jahr 1990 gewährt Personen, die sich bereits in den Vereinigten Staaten befinden - legal oder nicht legal – wenn sie aus Ländern kommen, die von bewaffneten Konflikten, Naturkatastrophen oder anderen Konflikten betroffen sind, einen befristeten gesetzlichen Status und eine Arbeitsgenehmigung. Der Heimatschutzminister entscheidet, wann ein Land die Kriterien erfüllt und kann den Schutzstatus für sechs, zwölf oder 18 Monate verlängern.

Lindolfo Carballo, salvadorianischer Aktivist, jetzt legaler Migrant und Mitarbeiter der Latino-Förderorganisation "Casa de Maryland":

"Ich meine, das ist eine ungeheure Ungerechtigkeit nicht nur gegen Salvadorianer, sondern auch gegen honduranische Männer und Frauen, Menschen mit Familien, mit Häusern, mit Kindern, die hier geboren sind. Was in diesem Land geschieht, ist eigentlich eine Tyrannei und es ist höchste Zeit, sie zu stoppen. "

Die Entscheidung der US-Regierung kam wenige Wochen nachdem mehr als 45.000 Haitianer ihren Schutz-Status verloren hatten, den sie seit dem Erdbeben 2010 in Haiti hatten. Auch Honduraner in den USA könnten demnach bald ihren Schutz verlieren, wie schon Menschen aus Nicaragua im vergangenen Jahr.

Hugo Martinez, Außenminister von El Salvador: "Das erste, was ich den Menschen sagen möchte, ist, „Ruhe bewahren“. Uns bleiben 18 Monate, vom März dieses Jahres bis September 2019. Wir
werden in dieser Zeit ohne Unterlass an einer dauerhaften Alternative
für unsere Landsleute arbeiten». Ziel sei es, ein Gesetz durch den US-Kongress zu
bekommen, das den Salvadorianern einen dauerhaften Aufenthaltstitel
verschafft. Für Rückkehrer kündigte Martinez ein Wiedereingliederungs- und Beschäftigungsprogramm an. «Sie werden mit offenen Armen empfangen.»

Allerdings flohen zuletzt immer mehr Menschen vor den blutigen Kämpfen
zwischen verfeindeten Banden. Mit rund 60 Morden je 100.000
Einwohnern zählt das arme El Salvador zu den gefährlichsten Ländern der Welt.

Die Trump-Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, legale und illegale Einwanderung einzuschränken - vor allem den Schutz-Status von 800.000 jungen Einwanderern ohne Papiere, genannt Dreamers. Die Menschen aus El Salvador sind die größte bisher betroffene Gruppe.

su mit dpa