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Unsere Reportage vom Südpol: Gletscherschmelze in der Antarktis

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Unsere Reportage vom Südpol: Gletscherschmelze in der Antarktis

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King George Island in der Antarktis. Ein Klimaforschungsgebiet par excellence, denn die Insel liegt nahe an Südamerika und am antarktischen Festland.

Dessen Eis schmilzt viel zu schnell. Seit den fünfziger Jahren sind die Durchschnittstemperaturen hier jedes Jahrzehnt um ein halbes Grad Celsius gestiegen. Jetzt, im Sommer auf der Südhalbkugel, finden sich Experten aus aller Welt auf der Insel ein, um die Folgen des Klimawandels aus nächster Nähe zu untersuchen.

Pole als Brennglas der Phänomene auf aller Welt

So auch Meereskundlerin Anna Beatriz Oaquim aus Brasilien und Meteorologe Eduardo Oliveira aus Uruguay. Mehrere Nationen betreiben ein gutes Dutzend Forschungsstationen auf der achtzig Kilometer langen Insel. Einige Stationen dienen mehr dazu, Präsenz auf dem weißen Kontinent zu zeigen, andere betreiben akribische Studien. “Der Südpol und der Nordpol sind die Gegenden mit dem schwächsten anthropischen, also menschengemachten Einfluss”, erklärt Anna. “Für die Forschung ist es in diesen Gebieten mit geringem anthropischem Einfluss am einfachsten, mögliche Klimaveränderungen zu bestimmen. Wir sagen normalerweise, dass an den Polen all die Phänomene, die sich anderswo auf dem Globus abspielen, noch verstärkt auftreten.”



Mehrmals pro Woche nehmen sie Proben aus dem Schmelzwasser, um die Phytoplankton-Konzentration zu bestimmen und dadurch das Ausmaß der klimatischen Veränderungen besser einschätzen zu können. Anna: “Wir untersuchen die Schwankungen der Temperatur, des pH-Werts und der Sauerstoff-Konzentration im Wasser. Wir messen Meter für Meter tief und erkennen so Temperaturunterschiede abhängig von der Konzentration der Mikroorganismen. Danach gleiche ich meine verschiedenen Messungen ab und erhalte so gesicherte Informationen über die Umwelt- und Klimaveränderungen.”

Der Wind, der hier ständig weht, spielt den Wissenschaftlern ebenfalls in die Hände: Aus tausenden Kilometern Entfernung treibt er Partikel aus der ganzen Welt hierher. “Nun, ich kann zwar nicht sagen, dass alle Aktivitäten auf der Welt hier ihre Spur hinterlassen”, räumt Ana ein, “aber man kann an den Polen sehr wohl bestimmte Spuren menschlicher Aktivität nachmessen.”

Massensterben der Pinguinküken am Pol

Im Labor untersucht sie ihre Stichproben im Detail. Ihre ersten Forschungsergebnisse lassen ihr keinen Zweifel: “Sie belegen einen Temperaturanstieg im vergangenen Jahrzehnt. Wenn man diese Daten mit schon veröffentlichten Daten vergleicht, kann man sehen, dass dies nicht nur ein regionaler Anstieg ist: Beim Abgleich mit Daten aus der nördlichen und aus der südlichen Hemisphäre sieht man, dass die Temperaturen generell steigen.”



Die Eisdecke des antarktischen Kontinents, die bislang relativ geschützt vor Folgen der Erderwärmung schien, hat sich in jüngster Zeit deutlich verschmälert. Im antarktischen Frühling, im November 2016, umfasste sie eine Fläche von 14 Millionen Quadratkilometern – etwa zwei Millionen Quadratkilometer weniger als durchschnittlich in den drei Jahrzehnten zuvor. Diese Schmelze wurde unter anderem durch Temperaturen ausgelöst, die zwei bis vier Grad höher lagen als für die Jahreszeit üblich. Eduardo Oliveira, Meteorologe an der uruguayischen Forschungsstation, beobachtet seit zwanzig Jahren die Veränderungen hier. Immer größere Eisberge brächen von den Gletschern ab, erzählt er: “Die Eisberge sind manchmal zwanzig Meter hoch und mehr als 200 Meter breit. Der Gletscher hinter mir war früher viel höher. Es gab viel mehr Eis. In den vergangenen Jahren ist er deutlich kleiner geworden.”



Höhere Temperaturen, Gletscherschmelze, Regen statt Schnee, atmosphärische Verschmutzung – viele Veränderungen hier alarmieren die Wissenschaftler. Im vergangenen Jahr verhungerten tausende Pinguinküken in der Antarktis, weil sie zu lange auf ihre Eltern mit der Nahrung warten mussten. Der Grund waren laut Wissenschaftlern veränderte Umweltbedingungen: Ein großes Gletscherstück war einige Jahre zuvor abgebrochen und hatte den Zugang zum Meer für die Pinguineltern letztlich blockiert.

Interessanter Artikel dazu hier

Artikel der NASA von 2015 zur Frage der Eisschmelze in der Antarktis: