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Autos in Europa: Diesel kein Auslaufmodell

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Autos in Europa: Diesel kein Auslaufmodell

Autos in Europa: Diesel kein Auslaufmodell
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Frankreich ist das Land mit den meisten Dieselautos in Europa. Dennoch gehört es zu den raren Ländern, in denen Dieselwagen auf dem Rückzug sind. 2017 wurden mehr Benziner als Dieselautos verkauft (48 Prozent der Verkäufe). Für das Land bemerkenswert und ein Vorgeschmack auf eine generelle Tendenz, die sich in Europa abzeichnet.

Benzin an der Spitze, aber Diesel rückt seit 30 Jahren stetig auf

In Europa sind 52 % der Autos auf der Straße Benziner. In der Mehrheit der europäischen Länder fahren die meisten Autos mit Benzin. Nur in sechs Ländern von dreißig, die wir untersuchten, fährt die Mehrheit der Autos mit Diesel. Frankreich (70 %) und Luxemburg  (65 %) liegen an der Spitze.

Dennoch ist die Zahl der Dieselautos in Europa seit den neunziger Jahren stetig gestiegen. 2015 gab es in absoluten Zahlen neunmal mehr Dieselautos als vor 30 Jahren.  Ihr prozentualer Anteil ist natürlich aussagekräftiger: Von rund 3 % der Autos 1990 wuchs er in Europa auf 37 % 2015.

Anzeichen für ein Ausbremsen des Diesels?

Die jüngsten Zahlen des europäischen Statistikamts Eurostat stammen von 2015, dem Jahr, in dem der Volkswagen-Dieselskandal über verfälschte Emissionswerte ans Licht kam. Die Statistik gibt von daher nicht Auskunft über eine mögliche Kehrtwende auf den europäischen Märkten in Folge der Enthüllungen.

Aber schon in dieser Statistik kann man eine erste Verlangsamung seit gut zehn Jahren bei der Erstzulassung von Dieselautos erkennen. 1992 waren 21 % der Neuzulassungen in Europa Dieselautos, 2015 waren es 53 %. Im Zeitraum von zehn Jahren verzeichnet man einen Rückgang bei den Diesel-Neuzulassungen in fünf Ländern: den deutlichsten in Belgien, Österreich und Frankreich mit rund 15 % weniger als 2005.

Sonderfall Frankreich

Frankreich, mit 70 % Dieselflotte an der Spitze in Europa, ist dafür berüchtigt, jahrelang den Markt ganz besonders in Richtung Diesel gedrängt zu haben. Zu Beginn der 90er Jahre wurden 45 % der Dieselneuzulassungen in Europa in Frankreich regististriert. Inzwischen sind die anderen Länder nachgezogen, 2015 machten die Neuzulassungen in Frankreich nur noch 16 % im europäischen Vergleich aus. Und nun gehört das Land zu denjenigen, in denen sich der Trend zugunsten der Benziner umkehrt. Der Verkauf von Dieselfahrzeugen ist seit 2005 um 16 % gesunken. Die Projekte des französischen Umweltministers dürften den Trend noch verstärken. Nicolas Hulot hat vorgeschlagen, die Spanne zwischen Steuern auf Benziner und auf Diesel zu verringern und den Einbau von Benzin- oder Dieselmotoren in neuen Autos von 2040 an zu verbieten. Andere Länder wie Großbritannien, Spanien oder Griechenland planen in naher Zukunft ebenfalls ein Dieselauto-Verbot.

Das Autoland Deutschland bleibt in der Diesel-Frage gespalten. Die politische Führung wurde von den Grünen bezichtigt, vor den deutschen Diesel-freundlichen Autobauern einzuknicken. BMW-Chef Harald Krüger erklärte im vergangenen Sommer, dass die Zukunft der Mobilität in ultra-ausgeklügelten Dieselmotoren liege.

Umweltverschmutzung, die schwer einzuschätzen ist, aber spürbare Folgen hat

Der Straßenverkehr wiegt beim Energieverbrauch in Europas Transportsektor am schwersten. Auf europäischer Ebene gibt es aber keine verfügbaren Daten, die zwischen dem von Lastwagen verursachten Anteil und dem von Autos unterscheiden helfen. Damit kann man nur schwer die Auswirkungen einer Rückkehr zu Benzinern auf die Luftverschmutzung ermessen.

Dieselmotoren sind hingegen verantwortlich für die Umweltbelastung mit Stickoxiden und Feinstaub, Dieselabgase wurden 2012 von der Weltgesundheitsorganisation als eindeutig krebserregend eingestuft. Eine Studie der regierungsunabhängigen Organisation International Council on Clean Transportation (ICCT) schätzte die Zahl der vorzeitigen Todesfälle durch Diesel-Stickoxid-Belastung 2015 weltweit auf 107.600, darunter 38.000 aus dem Grund, dass die Grenzwerte für Stickoxid-Emissionen von den Autoherstellern unter realien Bedingungen nicht eingehalten wurden.