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Tschechen wählen heute und morgen den Präsidenten

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Tschechen wählen heute und morgen den Präsidenten

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Die Tschechen wählen heute und morgen einen Staatspräsidenten.

Neun Bewerber treten zu der Wahl an: Die besten Aussichten hat in den Umfragen Miloš Zeman, der Amtsinhaber.

Als größter Herausforderer gilt der Chemieprofessor Jiří Drahoš. Der Politikneuling will nach eigenen Worten die Spaltung der Gesellschaft überwinden - er pflegt eher die leisen und nachdenklichen Töne.

Zemans Gegenkandidaten wie Drahoš zielten auf andere Wähler, sagt der tschechische Politikforscher Josef Mlejnek, auf liberale Wähler in den Städten.

Ein Sonderfall sei Mirek Topolánek, früher einmal Regierungschef, der für die konservative ODS-Partei antrete, die er selbst einmal geführt habe. Auch er, so Mlejnek weiter, spreche aber andere Wähler an als Zeman.

Zeman gibt sich siegessicher: An den Fernsehdebatten der Kandidaten nahm er nicht teil.

"Sein Wahlkampf ist anders, er ist unkonventionell", sagt Jan Herzmann, in Tschechien ein gefragter Experte für Wahlforschung.

Zeman hat in den vergangenen knapp fünf Jahren der Reihe nach alle Regionen des Landes besucht. Es ist eine Form des permanenten Wahlkampfs, bei dem er sich unter die Menschen mischt.

"Mit einer gewissen Übertreibung könnte man sagen, dass seine Wähler den Wählern Donald Trumps sehr ähnlich sind", sagt Herzmann weiter: "Sie leben typischerweise in einer kleinen bis mittelgroßen Stadt oder auf dem Land."

Der tschechische Präsident hat fast nur repräsentative Aufgaben, hat aber ein begrenztes Mitspracherecht in der Außenpolitik.

Allerdings spielt er immer eine große Rolle in der öffentlichen Meinung. So tritt Zeman entschieden gegen Flüchtlinge und die von der EU geplanten Flüchtlingsquoten auf.

Erreicht kein Bewerber die absolute Mehrheit, kommt es in zwei Wochen zu einer Stichwahl.

Dabei ist eine Überraschung nicht ausgeschlossen: Die Meinungsforscher der Agentur Medien sehen die Zustimmung für Zeman vor der ersten Runde bei 42,5 Prozent und für Drahos bei 27,5 Prozent.

In der Stichwahl aber würde sich das Verhältnis umkehren - mit 44 Prozent für Zeman zu 48,5 Prozent für Drahos. Es ist erst die zweite Volkswahl des Präsidenten seit einer Verfassungsänderung.