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EZB-Banker: Anleihekäufe könnten "in einem Schritt auf null gehen"

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EZB-Banker: Anleihekäufe könnten "in einem Schritt auf null gehen"

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Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte nach Einschätzung mehrerer Notenbanker nach September die vor allem in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe auf einen Schlag beenden. Österreichs Notenbankchef Ewald Nowotny zufolge könnte die EZB die Käufe 2018 auslaufen lassen, wenn die Konjunktur weiter mitspielt.

“Ich denke, wir können ohne Probleme in einem Schritt auf null gehen”, sagte Estlands Notenbankchef Ardo Hansson der “Börsen-Zeitung” und warnt in dem Kontext vor einer „Zombifizierung" von Regierungen. Viele Staaten hätten eine zu hohe Verschuldung aufgebaut und seien schlecht auf steigende Zinsen vorbereitet. Die EZB könne bei der Normalisierung ihrer ultralockeren Geldpolitik keine Rücksicht auf einzelne Länder nehmen: „Wenn die Zinsen wieder steigen, kann das zu einem bösen Erwachen führen."

Die Verringerung der monatlichen Käufe auf zunächst 60 von einst 80 Milliarden Euro und jetzt auf 30 Milliarden sei ohne Turbulenzen an den Märkten geschehen. Das sei ermutigend.

“Wenn sich Wachstum und Inflation mehr oder weniger in Einklang mit den Projektionen entwickeln, wäre es sicher denkbar und auch angebracht, die Käufe nach September zu beenden”, so Hansson. Die gut laufende Wirtschaft in der Euro-Zone spreche dafür, die geldpolitische Unterstützung allmählich zu drosseln.

Die Euro-Aufwertung stellt laut Hansson bislang „keine Gefahr für den Inflationsausblick" dar: „Das sollte man nicht überdramatisieren." Er warnt vielmehr davor, die geldpolitische Wende zu langsam anzugehen.

INFLATION IN DEUTSCHLAND NAHE ZIELMARKE

Waren und Dienstleistungen verteuerten sich um durchschnittlich 1,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, so das Statistische Bundesamt. Das ist der stärkste Anstieg seit 2012 mit damals 2,0 Prozent. 2016 betrug die Inflationsrate 0,5 Prozent und 2015 nur 0,3 Prozent. Sie liegt damit nahe der Zielmarke von knapp zwei Prozent, die die Europäische Zentralbank als ideal für die Wirtschaft hält.

Sigrid Ulrich mit Reuters