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Davos - was könnte die Weltwirtschaft gefährden?

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Der Himmel in Davos ist blau, die Stimmung ist gut. Das liegt aber auch den letzten Zahlen des IWF, der ein stabiles globals Wachstum für die nächsten zwei Jahre sieht.

Viele Vorstände sind laut einer PriceWaterhouseCoopers Umfrage so optimistisch wie seit Jahren nicht mehr – wegen der wirtschaftlichen Prognosen. 57 Prozent erwarten ein stärkeres Wachstum der Weltwirtschaft, und viele Politiker sehen das genauso.

Ein Beispiel für die positive Entwicklung ist Portugal, da sich vom Sorgenkind zur Vorzeigewirtschaft gemausert hat. euronews hat Portugals Wirtschaftsminister gefragt, wie es um die Wirtschaft seines Landes steht und wie Portugal es geschafft hat, sich nach der Finanzkrise so schnell zu erholen.

MANUELCALDEIRACABRAL, portugiesischer Wirtschaftsminister:

“Ich denke, das Geheimnis war, von einer Politik des Sparens zu einer moderaten Politik zu wechseln, einer verantwortungsvollen Politik, im Sinne von Abbau öffentlicher Schulden, um die Defizite zu reduzieren und gleichzeitig Luft für Wachstum zu schaffen. So baut man Vertrauen auf – das der Menschen und das der Investoren, sei es der inländischen oder das der ausländischen Investoren. Insgesamt steigen die Investitionen in den letzten 20 Jahren mit Rekordzuwächsen, und das hat etwas mit Vertrauen zu tun, und das ist wegen unseres Politikwechsels gewachsen.

Vor allem aber denke ich, dass das Wachstum in Portugal ein gerechtes Wachstum ist; es erreicht nicht nur einen Tel der Gesellschaft, sondern alle, auch die Ärmsten der Armen profitieren. Wir hatten eine deutliche Reduzierung unserer Armutsquote im letzten Jahr, gleichzeitig wächst die Beschäftigungsrate kräftig, was wiederum bedeutet, wir müssen mehr qualitativ besseres Wachstum erzeugen, und das stammt aus dem Export und Investitionen. Dazu kommt das Wachstum aus der steigenden Binnennachfrage wegen der höheren Beschäftigungszahlen. Wir wollen aber ein Wachstum, an dem alle teilhaben, um die Beschäftigung bei den Jüngeren zu verbessern, die Armut weiter zu reduzieren – das sind wichtige Ziele für alle Regierungen.

Wenn Europa in die Zukunft schaut und man an Brexit oder Finanzprobleme denkt, damit mobilisiert man seine Bürger nicht, geschweige denn seine Jugend. Wenn Europa aber in die Zukunft schaut und klarstellt, wir sind ein Teil der Welt, der offen ist für den Handel, der sich zu Innovation bekennt, zu Wachstum mit Teilhabe aller, das kann Anziehungskraft für viele Menschen entfalten. Das wäre ein Projekt, das Brücken bauen könnte, nach Südamerika oder andere Teile der Welt.”

In seiner neuen Prognose zum globalen Wirtschaftswachstum warnt der Internationale Währungsfonds vor Selbstgefälligkeit in Anbetracht der guten Daten – eine kleine “kalte Dusche”. euronews hat versucht herauszufinden, was möglicherweise schief laufen könnte mit der Weltwirtschaft – und was die nächste Krise auslösen könnte.

KENNETHROGOFF, Ökonom an der Harvard University und ehemaliger Chefökonom des IWF:

“Sicher, die Börsen sind im Hoch, aber die Zinsen sind sehr niedrig.. Also, wenn sie mich fragen, was die Lage schnell verschlechtern könnte, dann wäre es etwas, das weltweit eine Inflation der Zinsen auslösen würde. Angepasste Zinsen steigen schneller als es der Markt erwarten würde.

Auch durch China könnte es zu einer Krise kommen, wenn China den Abfluss von Geld stoppen würde, weil sie die Zinsen niedrig halten. Das könnte genauso in einigen Ländern Europas passieren, Frankreich geht es besser, Deutschland geht es gut, den Vereinigten Staaten geht es besser, aber einige Länder hinken noch hinterher. Japan und Italien werden wachsen, aber auf keinen Fall genug, um ihre Schulden abzubauen, wenn die Zinsen steigen. Da gibt es Schwellenmärkte, die besser laufen. Auch Russland und Brasilien haben ein gutes Jahr gehabt, aber wenn die Zinsen steigen wird es für einige sehr schmerzhaft.

Der Brexit ist für keine Seite gut, die Unsicherheit, die da entsteht. Ich denke, einerseits wäre so wenig Veränderung wie möglich das Beste, andererseits müssen die Europäer aggressiv verhandeln, weil sonst Nachahmer auf die gleiche Idee kommen könnten. Ich glaube, der Brexit wird für Großbritannien wirklich schlecht sein, aber für Europa ebenfalls. Die Europäer wären meiner Meinung nach gut beraten, Großbritannien nicht abzustrafen, sondern das Wachstum weiter zu unterstützen, das Boot nicht zum kentern zu bringen. Sie sollten großzügiger sein in den Verhandlungen mit den Briten und vielleicht ein paar Themen auch ruhig später verhandeln.”