Eilmeldung

Eilmeldung

Starker Euro: Draghi beklagt verbales Foulspiel der US-Regierung

Sie lesen gerade:

Starker Euro: Draghi beklagt verbales Foulspiel der US-Regierung

Schriftgrösse Aa Aa

Die Europäische Zentralbank (EZB) belässt den Leitzins im Euroraum unverändert auf dem Rekordtief von null Prozent.

Das teilte EZB-Präsident Mario Draghi im Anschluss an die erste Zinssitzung des EZB-Rates 2018 mit.

Der Euro stieg über 1,25 US-Dollar - er ist derzeit so stark wie seit gut drei Jahren nicht mehr - und legte während Draghis Rede weiter zu. Der EuroStoxx 50 und der deutsche Leitindex Dax fielen daraufhin in die Verlustzone.

Die rasante Abwertung des Dollar geht nach Ansicht von Draghi auch auf verbales Foulspiel der US-Regierung zurück. Der Anstieg des Euro sei auch auf Bemerkungen zurückzuführen, die im Widerspruch zu der Vereinbarung stünden, Währungen nicht hoch- oder herunterzureden, sagte Draghi.

Damit spielte der EZB-Chef auf die Aussage von US-Finanzminister Steve Mnuchin an, der gesagt hatte, ein schwacher Dollar sei gut für den US-Handel. Darauf Handelsminister Wilbur Ross: In einem globalen Handelskrieg würden US-Truppen nun in Stellung gehen.

Ohne Mnuchin oder Ross namentlich zu erwähnen, sagte Draghi, dies sei ein Sprachgebrauch, der nicht mit den vereinbarten Spielregeln übereinstimme.

Trotz brummender Volkswirtschaften bleibe man bei der lockeren Geldpolitik und Null-Zinsen, so Draghi:

"Wir erwarten weiterhin, dass sie für einen längeren Zeitraum auf ihrem derzeitigen Niveau bleiben werden und das weit über den Horizont unserer Wertpapierkäufe (bisher für 2,3 Billionen Euro, noch bis mindestens September 2018) hinausgehen."

Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump vor gut einem Jahr hat der Euro im Verhältnis zum US-Dollar fast ein Fünftel aufgewertet. Neben der starken Euro-Wirtschaft und einem absehbaren Ende der extrem lockeren Geldpolitik der EZB war für den Euro-Höhenflug zuletzt vor allem eine Schwäche des Dollars verantwortlich. Experten begründen diese unter anderem mit Furcht vor Handelskonflikten.

Sigrid Ulrich mit Reuters