Eilmeldung

Eilmeldung

Iran: Weitere Festnahmen bei Anti-Kopftuch-Protesten

Sie lesen gerade:

Iran: Weitere Festnahmen bei Anti-Kopftuch-Protesten

Iran: Weitere Festnahmen bei Anti-Kopftuch-Protesten
Schriftgrösse Aa Aa

Kurz nachdem eine "Anti-Kopftuch-Demonstrantin" im Iran angeblich wieder freigelassen wurde, sind laut Augenzeugenberichten weitere Frauen festgenommen worden, die sich öffentlich ohne Schleier zeigten. Nach Angaben von Frauenaktivistinnen in Teheran übten die Frauen nur ein - laut Regierung - legitimes Bürgerrecht aus: Sie protestierten friedlich gegen staatliche Vorgaben, mit denen sie nicht einverstanden sind.

In  sozialen Medien kursieren Fotos von diesen Frauen: Als Protest gegen den Kopftuchzwang nahmen sie ihre Kopfbedeckung ab, banden sie an einen Stock und hielten den Schleier wie eine Flagge in die Höhe. In iranischen Medien gibt es keine Berichte über die Aktionen.

Alle Frauen und Mädchen ab neun Jahren müssen im Iran in der Öffentlichkeit ein Kopftuch sowie einen langen, weiten Mantel tragen, um Haare und Körperkonturen zu verbergen. Unter dem Motto "White Wednesday" gibt es schon länger Widerstand gegen das knapp 40 Jahre alte Kopftuchzwang-Gesetz. Vor der iranischen Revolution 1979 war es Frauen dagegen verboten, Kopftuch zu tragen.

Am 27. Dezember hatte Vida Movahed minutenlang ohne Kopftuch auf einem Verteilerkasten in Teheran gestanden, um gegen das Verhüllungsverbot zu protestieren. Dann soll die 31-Jährige festgenommen worden sein. Sie gilt seither als Symbol für die regimekritischen Proteste im Iran. Die landesweiten Proteste entbrannten allerdings nach ihrer Aktion zunächst aufgrund der wirtschaftlichen Probleme, richteten sich dann aber zunehmend gegen das Regime und auch gegen den Kopftuchzwang. 

Die Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotudeh will den Fall von Movahed übernehmen. Die Anwältin wurde 2012 mit dem Sacharow-Menschenrechtspreis des Europäischen Parlaments ausgezeichnet. Sotudeh hatte die bis dahin unbekannte "Anti-Kopftuch-Demonstrantin" identifiziert und über die angebliche Freilassung berichtet.