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Kirche ist ihm zu progressiv: AfD-Politiker konvertiert zum Islam

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Kirche ist ihm zu progressiv: AfD-Politiker konvertiert zum Islam

Kirche ist ihm zu progressiv: AfD-Politiker konvertiert zum Islam
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By Cezary Piwowarski (Eigenes Werk), CC BY-SA 4.0-3.0-2.5-2.0-1.0, via Wikimedia Commons
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Arthur heißt jetzt Ahmad und ist Muslim. Das wäre nicht weiter der Rede wert, handelte es sich bei Ex-Arthur nicht um Arthur Wagner, ein ehemaliges Vorstandsmitglied der Brandenburger AfD.

Entsprechend groß war die Überraschung, die der Übertritt Wagners ausgelöst hat. Immerhin ist die AfD die Partei, in deren Programm zur Bundestagswahl 2017 es heißt, "der Islam gehört nicht zu Deutschland". Und die wachsende Zahl von Muslimen in Deutschland sei eine "große Gefahr für unseren Staat".

Nach Bekanntwerden seines Religionswechsels wollte sich Wagner zunächst nicht äußern. Das sei Privatsache, ließ es wissen. Jetzt hat er es aber doch getan.

"Die Ehe für alle, Pfarrer auf dem CSD, das geht doch nicht"

In einem Interview mit der Bild erklärte er, er identifiziere sich nicht mehr mit der evangelischen Kirche, der er bislang angehörte. "Die Haltung zur AfD, die Ehe für alle, die Teilnahme von Pfarrern am Christopher Street Day in Berlin, mit Kindern, das geht doch nicht", sagte er.

Zuvor war der Russlanddeutsche Wagner aktives Kirchenmitglied, er selbst saß im Kirchenrat, seine Frau arbeitet in einem evangelischen Kindergarten. Beim Arbeiter-Samariter-Bund war Wagner zudem als Dolmetscher für muslimische Flüchtlinge aus Tschetschenien tätig.

Schon 2015 habe er sich während eines Besuchs in Russland entschlossen, dem Islam beizutreten. Er habe Muslime als "offene und ehrliche Menschen kennengelernt", sagte er.

Ende Oktober vergangenen Jahres sprach er dann in einer Moschee im russischen Ufa das islamische Glaubensbekenntnis und nahm den Namen Ahmad an. Kommende Woche will er aus der Kirche austreten.

AfD-Politiker: "Bin sehr enttäuscht"

In der  AfD möchte Wagner bleiben. Allerdings hat er seine Ämter niedergelegt. Kai Berger, der AfD-Chef in Wagners Kreis Havelland, sagte der Bild, er sei sehr enttäuscht von Wagner. "Viele Mitglieder erwarten, dass er aus der AfD austritt. Ausschließen kann man ihn leider nicht."

Andreas Kalbitz, Chef der Brandenburger AfD, hatte nach Bekanntwerden der Konversion erklärt, "der Islam gehört nicht zu Deutschland."

Der Sprecher des Landesverbands, Daniel Friese, dagegen sagte, die Partei habe kein Problem damit. Es gebe in der Bundespartei auch Interessengemeinschaften für Muslime.

Wagner selbst sagte, es gebe keinen Druck, die Partei zu verlassen. Allerdings erhalte er Drohbriefe. Jemand habe geschrieben, er solle Deutschland verlassen, bevor er anfange, Bomben zu bauen. Künftig will Wagner den Islam studieren und "Brücken bauen zwischen Deutschen und den Muslimen, die hier leben".