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Kritik aus Ungarn an Polens Holocaust-Gesetz

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Kritik aus Ungarn an Polens Holocaust-Gesetz

Kritik aus Ungarn an Polens Holocaust-Gesetz
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Takkk (Eigenes Werk), CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
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  • Das umstrittene Holocaust-Gesetz, das jetzt im polnischen Parlament verabschiedet wurde, hat weithin Protest ausgelöst. Aus Israel etwa hieß es, Polen könne mit dem Gesetz die eigene Verantwortung am Judenmord abstreifen. Ähnlich ist die Sorge in vielen anderen Ländern, unter anderem in Ungarn.

Der Historiker Lászó Karsai sagte gegenüber euronews: "Für mich als Historiker, als liberale Person, ist es inakzeptabel, jemandem Gefängnis anzudrohen, weil er seine Meinung sagt, die auf Forschungsdaten beruht. Der polnische Gesetzgeber geht hier den türkischen Weg. Sie fälschen ihre eigene Geschichte. In der Türkei landet man für drei Jahre im Gefängnis, wenn man sagt, es gab einen Völkermord an den Armeniern."

Mehr als eine halbe Million ungarische Juden wurden im Holocaust ermordet. András Domány ist Experte für polnische Politik.

Er sagte uns: "Sie nutzen Geschichte, um Politik zu machen. Geschichte wird von der polnischen Regierung nicht als Wissenschaft angesehen, sondern als Mittel für das nationale Bewusstsein. Sie wollen jegliche Diskussion darüber unterbinden, wie manche Polen mit den Nazis kollaborierten und beim Mord an den Juden mitmachten."

Das Gesetz sieht Geld und Haftstrafen vor für alle, die Polen eine Mitverantwortung für die Verbrechen des Holocausts zuschreiben.

Tritt das Gesetz in Kraft, so drohen künftig in Polen Geldstrafen oder bis zu drei Jahre Haft, wenn jemand, wie es heißt, dem polnischen Volk oder Staat eine Verantwortung oder Mitverantwortung für die Naziverbrechen zuschreibt.