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Zurück nach Syrien: "Ich bleibe jetzt hier"

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Zurück nach Syrien: "Ich bleibe jetzt hier"

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Seit 2011 wütet in Syrien der Krieg. Die früher belebten Straßen und bunten Gebäude sind in zahlreichen Städten komplett zerstört und kaum wie­der­er­kenn­bar. Millionen Syrer sind vor Bombenangriffen, Granaten, Scharfschützen und Elend geflohen. Heute kehren wenige, aber immer mehr, in ihre Heimat zurück.

Nach über zwei Jahren kann Adeeb Ayoub seine Eltern wieder in die Arme schließen. Der 13-Jährige war 2015 mit seinem Onkel vor dem Krieg nach Deutschland geflohen. Dort wollte er seine Familie nachholen - ohne Erfolg. Daraufhin entschied er sich für die Rückkehr nach Syrien, er flog von Düsseldorf aus über Teheran wieder in seine Heimat zurück.

"Als sie meine Familie nicht nach Deutschland nachholen wollten, entschied ich mich dafür, nach Syrien zurückzukehren", erklärt der junge Adeeb. "Ich bin in Deutschland zu den Behörden gegangen und bat sie darum, zurückkehren zu dürfen. Aber sie haben meinen ersten Antrag abgelehnt. Ich habe dann einen zweiten Antrag gestellt, den sie dann genehmigt haben. Sie haben mir 500 Euro gegeben und haben mich mit dem Flugzeug zurückgeschickt."

Auf die Frage, ob er irgendwann zurück nach Deutschland gehen will, antwortet der Junge:  "Nein, ich werde jetzt hier (in Syrien) bleiben. Ich werde nicht zurückgehen, denn das hier ist unser Land. In den anderen Ländern, wie Deutschland, sind die Menschen nicht wie wir. Sie sind anders, haben eine andere Religion."

Der schwere Alltag der Einwohner von Aleppo war von Scharfschützen, Bombenangriffen und der ständigen Angst vor dem Tod geprägt. Adeebs Vater, Firas, hatte 2015 beschlossen, seinen Sohn über das Meer nach Europa zu schicken. Er meinte, "man hat mehr Chancen, die Überquerung des Meeres zu überleben, als den Alltag in Aleppo."

Ab Ende 2016 hatten Adeebs Eltern ihren Sohn zur Rückkehr ermutigt. Ihnen zufolge sei das Leben in Aleppo nun sicherer.

Nicht nur das Heimweh

Seit März 2016 dürfen sogenannte subsidiär Schutzberechtigte keine Angehörigen mehr nach Deutschland nachholen. Der Familiennachzug bleibt für die Betroffenen bis Ende Juli ausgesetzt, das beschloss der Bundestag Anfang Februar.

Nicht nur das Heimweh, sondern auch die wenigen Stellenangebote oder Arbeitsverbote für Flüchtlinge, die Sprachbarriere, Diskriminierung, kulturelle Differenzen und ein kälteres Klima bringen einige dazu, den schweren Schritt zur Rückkehr zu gehen.

Ammar war Anfang 2016 über das Mittelmeer nach Europa geflohen. Seine gesamten Ersparnisse steckte Ammar in die Flucht: Schmuggler in der Türkei brachten ihn mit einem kleinen Schlauchboot nach Griechenland. Er legte lange Strecken mit der Bahn oder zu Fuß durch Wälder zurück.

Der heute 36-Jährige überquerte zahlreiche europäische Länder wie Mazedonien, Serbien, Slowenien, Kroatien und Österreich. Kurze Zeit später kam er in Deutschland an. Dort lernte er die Sprache und versuchte, eine Arbeit zu finden. Aber der psychologische Druck wurde für Ammar zu hoch: Im Juli 2012 kehrte er trotz des andauernden Bürgerkrieges nach Aleppo zurück.

"Das Leben als Flüchtling ist demütigend. Mit einem Arbeitsvertrag wäre die Lage anders, aber als Flüchtling - nein. Es ist wie in einem Gefängnis zu leben", erklärt Ammar, der heute in Aleppo Reifen verkauft. "Man leidet unter psychologischem Druck, Depression und dem kalten Wetter. Aber in Deutschland haben sie uns auch viel geschenkt, wie Essen, Trinken, Kleidung und Geld."

Genaue Zahlen für die syrischen Migranten, die in ihre Heimat zurückkehren, gibt es nicht. Der Hochkommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR) schätzt die Anzahl auf mehrere Tausend Menschen. In Deutschland werden Flüchtlinge, die diesen Schritt in Erwägung ziehen, in mehr als 1.000 Zentren beraten.

In einem Bericht der Zeit.Online erklären verschiedene syrische Migranten, warum sie in ihre Heimat zurückkehren, was sie dort erwartet und warum die Entscheidung vielen sehr schwer fällt. Um den Bericht (Dezember 2017) zu lesen, klicken Sie hier.