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Rolf Zacher mit 76 Jahren gestorben

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Rolf Zacher mit 76 Jahren gestorben

Rolf Zacher mit 76 Jahren gestorben
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Franz Richter
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Der Schauspieler und Musiker Rolf Zacher ist tot. Der vielseitige Künstler ist den Angaben seiner Lebensgefährtin Carola Blendermann zufolge "friedlich gestorben". Zuletzt lebte Zacher in einem Pflegeheim In Hamburg. Die Beerdigung werde im privaten Kreis stattfinden.

"Fast jede Zeit kann man zur schönen Zeit machen."

Rolf Zacher Künstler

Tausendsassa

Genauso bunt wie die lange Liste seiner Werke ist sein Lebenslauf: Als Flüchtlingskind im Zweiten Weltkrieg 1941 in Berlin geboren, wuchs Zacher in Brandenburg auf. In Berlin verdiente Zacher sich neben seiner Theaterausbildung Geld als Rock-’n’-Roll-Tänzer in einem Lokal von Rolf Eden. Nach eigenen Angaben war er der drittbeste Rock-’n’-Roll-Tänzer von Berlin und erhielt pro Abend zwischen 50 und 100 DM als Gage. Getreu dem Motto "Lachen ist der Weg zum Leben" hat sich der gelernte Konditor von den Zeiten, in denen er sich als Barmixer, Sänger, Musiker oder Tänzer durchschlug, in die Welt der Film- und Fernsehstars hoch gearbeitet.

Zacher spielte in mehr als 200 Serien und Filmen mit

Anfang der sechziger Jahre gründet er eine kleine Studiobühne in Kreuzberg. Seit Mitte der 1960er-Jahre spielte Zacher unter Regisseuren wie Ulrich Schamoni ("Es", 1965), Robert van Ackeren ("Der letzte Schrei", 1974; "Die Venusfalle" 1988) oder Rainer Werner Fassbinder ("Berlin Alexanderplatz", 1980). Dabei machte er sich vor allem einen Namen als Darsteller von gebrochenen, skurrilen Charakteren und sozialen Randfiguren. In einem "Tatort" von 1978 ("Der gelbe Unterrock") spielte Zacher einen Gauner im Drogenmilieu. Eine typische Rolle.

Den Bundesfilmpreis gab es für eine Gaunerrolle in Reinhard Hauffs "Endstation Freiheit" (1980), so hieß auch seine Biografie. Vor leichter Kost wie "Go Trabi Go 2" schreckte Zacher in seiner Karriere nicht zurück. In der ARD-Telenovela "Rote Rosen" mimte er den Aussteiger Hans-Rudolf "Harry" Becker. Zum Spätwerk zählten Oskar Roehlers "Tod den Hippies!! Es lebe der Punk" und Doris Dörries "Die Friseuse".

Zacher war vielseitig. Er lebte mal im Wohnmobil, drehte Kinderfilme und war Veganer. Musik war ihm wichtig. Fans wissen: Auch bei der Rockband Amon Düül II und im Punkmusical "Gabba Gabba Hey" mischte er mit.

Bewegtes Leben

Zacher hatte ein bewegtes Leben. Nach einem schweren Autounfall 1969 bekommt Zacher stark morphiumhaltige Medikamente verschrieben, und als diese seine Schmerzen nicht mehr lindern können, betäubt er sie mit Heroin und wird abhängig. Wegen seiner Sucht saß er mehrmals im Gefängnis und stand dennoch immer wieder erfolgreich vor der Kamera. Nach den Drogen-Entzügen legte er Wert auf ein bewusstes Leben. Er mochte Yoga und Reiki. Nach dem Tod könne er "eine Schwingung im Kosmos» sein, sagte er einmal.

Seinen letzten großen Fernsehauftritt hatte Zacher 2016 in der RTL-Show "Dschungelcamp". Im Camp nervte ihn das "Gequatsche" der anderen, er vermisste seine Freundin. Nach acht Tagen verließ er die Sendung, laut RTL aus gesundheitlichen Gründen.

Wo es schlimmer gewesen sei, im Gefängnis oder im Dschungelcamp - auf solche Fragen ließ sich Zacher nicht ein. Er sah es so: "Wann kommt man in seinem Leben nach Australien?" Er sei im Camp der Guru gewesen. Als er weggegangen sei, hätten sie alle geheult.

Er bereue nichts, sagte Zacher einmal, nur, dass er die Kindheit seiner 1972 geborenen Tochter aus einer Ehe mit Gisela Getty nicht mit erlebt habe. Kurz vor seinem 75. Geburtstag meinte er: "Ich habe wunderbar gelebt."

In einem seiner letzten Interviews 2017 sagte er: "Fast jede Zeit kann man zur schönen Zeit machen":