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Eli Saab: "Die jungen Araber sind talentiert und eine Bereicherung für Europa"

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Eli Saab: "Die jungen Araber sind talentiert und eine Bereicherung für Europa"

Eli Saab: "Die jungen Araber sind talentiert und eine Bereicherung für Europa"
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Eine Ikone, die dazu beigetragen hat, die Modeindustrie der arabischen Welt aufzubauen: der libanesische Modedesigner Elie Saab. Er war der erste Designer aus dem Nahen Osten, der eine Kollektion bei der Fashion Week in Rom präsentierte. Ein Self-made-Mann, dessen Name international bekannt geworden ist. Wir sprachen mit ihm über Mode als Brücke zwischen West und Nahost, über die arabische Jugend, Unternehmertum und das, was man von ihm in Erinnerung behalten soll.

Daleen Hassan, euronews:
“Wie kann Mode einen Dialog zwischen dem Nahen Osten und der westlichen Welt herstellen?”

Elie Saab:
“Modedesign hat keine Grenzen, es ist eine universelle Sprache, die von allen Menschen gesprochen wird. Es ist eine eigenständige Kunst wie das Kino, und ihre Sprache ist die Schönheit.”



euronews:
“Sehen Sie sich selbst als Paten dieses Dialogs an?”

Elie Saab:
“Natürlich – was ich getan habe, ist, Leute zu beeinflussen, insbesondere die arabische Jugend. Als ich international bekannt wurde, oder sogar schon davor, eigentlich vom ersten Tag an, als ich als Modedesigner angefangen habe, hatte ich ein höheres Ziel. Dieser Beruf ist niemals einfach. Und ich kann mich natürlich glücklich schätzen, in die Position gekommen zu sein, in der ich heute bin. Folglich ist es heute normal für mich, eine Brücke zwischen dem Nahen Osten und dem Rest der Welt zu sein. Ich möchte, dass der Nahe Osten auch etwas zu sagen hat, wenn es um internationale Mode geht. Ich sehe, dass die jungen Leute in der Region Talent haben, sie brauchen nur einfach Gelegenheiten!”


Erfolg ist eine Anreihung von Dingen, die man erreicht


euronews:
“Ich zitiere Sie jetzt mal: Talent reicht nicht, um Designer zu werden, man muss non-stop arbeiten und entschlossen sein. Meinen Sie, dass die neue Generation diese Auffassung teilt?”

Elie Saab:
“Talentiert zu sein, reicht nicht. Wirklich entscheidend ist, wie man dieses Talent managt, wenn man es hat. Das ist genau so wichtig wie das Talent selbst. Leider gibt es zu viele junge Leute, die schon vom ersten Anfangserfolg betrunken werden.
Und das ist der Feind jedes Erfolges. Ich glaube, Erfolg ist eine Ansammlung vieler Dinge, die Schritt für Schritt zusammengefügt werden, um das Niveau permanenten, kontinuierlichen Erfolges zu erreichen.”

euronews:
“Also ein Prozess der Akkumulation?”

Elie Saab:
“Genau, eine Serie von Dingen, die man erreicht. Ich glaube nicht an augenblicklichen Erfolg.”



euronews:
“Als Sie in Europa anfingen, sahen Sie sich mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Heute ist Europa einer der wichtigsten Standorte für Ihre Marke. Wie sehen Sie diese Erfahrung?”

Elie Saab:
“Es war sehr schwierig, auf dem internationalen Markt Fuß zu fassen. Als ich in Europa anfing, hatte niemand vorher von mir gehört – von jemandem aus dem Nahen Osten, der Haute Couture entwirft, Kollektionen. Das war eine Herausforderung. Als ich 1996 in Rom anfing, war ich sehr bekannt in der arabischen Welt, aber in Europa musste ich wieder ganz von vorn anfangen. Wenn ich heute zurückblicke, kann ich sehen, dass ich das Tor für junge Leute geöffnet habe, die in diese Branche einsteigen wollen.”


Arabische Flüchtlinge sind eine Bereicherung für Europa


euronews:
“Wie sieht Europa die junge arabische Generation, insbesondere nach der Flüchtlingskrise jüngst? Werden die jungen Araber heute eher als Last empfunden oder als eine andere Kulturquelle in Europa?”

Elie Saab:
“Die meisten jungen Araber sind talentiert und arbeiten hart. Sie können wirklich eine Bereicherung sein, egal, wo sie sind. Wenn Europa dieser Tatsache mehr Aufmerksamkeit zollt, kann es wirklich von der Anwesenheit der arabischen Flüchtlinge hier profitieren. Die meisten von ihnen sind kreativ. Vielleicht müssen sie zurzeit viele Schwierigkeiten überwinden, aber trotzdem sind die meisten bereit zu lernen, und sie werden eine Bereicherung sein.”

euronews:
“Wie bringen Sie es unter einen Hut, gleichzeitig kreativer Designer und Unternehmer zu sein?”

Elie Saab:
“Vom ersten Tag an, als ich mein Geschäft hochzog, lag mir das Unternehmertum im Blut. Ich mag es nicht, Modeartikel nur des Designs und der Kreativität wegen zu entwerfen. Ich möchte, dass meine Entwürfe von der größtmöglichen Zahl von Frauen in der ganzen Welt getragen werden. Elie Saab ist heute ein großes Unternehmen. Ich glaube nicht, dass wir in dieser Position wären, wenn ich die Firma nicht auf kommerzielle, geschäftsmäßige Weise geführt hätte. Die Modeindustrie schafft eine Menge Jobmöglichkeiten. Es ist im Nahen Osten ein neuer Industriezweig. Viele Investoren stecken Geld in die Mode, nicht nur im Nahen Osten, sondern weltweit sind sie bereit, darin zu investieren.”


Ein Modeunternehmen ist wie eine Bank


euronews:
“Bei einigen großen europäischen Marken sind asiatische Investoren eingestiegen. Valentino ist zum Beispiel von der katarischen Königsfamilie gekauft worden. Was halten Sie davon?”

Elie Saab:
“Jedes Modeunternehmen ist wie eine Bank. Wenn wir es nicht auf diese Weise betrachten, wird es dahinschmelzen und scheitern. Als zum Beispiel die Kataris eine Menge Geld in Valentino steckten, haben sie das Unternehmen auf ein anderes Niveau gebracht. Sie haben schnell viel Geld in die Firma gepumpt, und das Ergebnis ist, dass Valentino jetzt in dieser Position ist.”

euronews:
“Wie halten Sie die Balance zwischen der künstlerischen Vision in Ihren Entwürfen und spezifischen kulturellen Trends?”

Elie Saab:
“Ich denke, das ist Vergangenheit. Heute kann die Schönheit eines Designs alle Kulturen beeindrucken. Entscheidend ist, dass der Designer seine eigene Linie beibehält, seine Identität, und sich treu bleibt.”



euronews:
“Wie würden Sie Luxus definieren?”

Elie Saab:
“Luxus ist alles, das nicht mit Geld gekauft werden kann. Wir können nicht alles kaufen, was wir wollen. Denken Sie nur an all die Dinge, von denen Menschen träumen, die sie aber nicht kaufen können, selbst wenn sie die finanziellen Mittel hätten.”



euronews:
“Wie möchten Sie, dass man sich an Sie erinnert?”

Elie Saab:
“Ehrlich, ich würde mich freuen, WENN man sich meiner erinnert. Ich finde, die Zeit nach dem Tod, in der sich die Leute an einen erinnern, ist sehr viel länger als die Zeit, in der man lebt.”