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Sexparty-Berichte: Oxfam soll Mitarbeiter strafrechtlich verfolgen

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Sexparty-Berichte: Oxfam soll Mitarbeiter strafrechtlich verfolgen

Sexparty-Berichte: Oxfam soll Mitarbeiter strafrechtlich verfolgen
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REUTERS/Peter Nicholls
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Nach Berichten über Sexpartys mit Prostituierten in Haiti und im Tschad gerät die Hilfsorganisation Oxfam immer mehr in Erklärungsnot. Die britische Regierung und andere internationale Unterstützer drohen damit, ihre Hilfsgelder in Millionenhöhe zu streichen.

Einige Mitarbeiter der Organisation sollen Berichten zufolge Orgien mit Prostituierten während ihres Einsatzes in dem Katastrophengebiet Haiti veranstaltet haben. Oxfam habe Warnungen ignoriert, meldete die Londoner Zeitung "Times".

Bei zwei der beteiligten Mitarbeiter habe die Hilfsorganisation Hinweise auf Fehlverhalten bei einem früheren Einsatz im Tschad gehabt, sie aber dennoch nach Haiti entsandt, berichtete die "Times". Darunter sei auch der Landesdirektor für Haiti gewesen.

Die haitianische Regierung fordert Oxfam auf, die im Zentrum des Skandals stehenden Arbeiter zu identifizieren und sie strafrechtlich zu verfolgen.

Im Zuge des Skandals ist die britische Vizechefin von Oxfam, Penny Lawrence, zurückgetreten. Sie schäme sich für die Vorfälle, teilte sie mit.

Die britische Ministerin für internationale Zusammenarbeit, Penny Mordaunt, sagte am Sonntag im Sender BBC, sie erwarte eine umfassende Zusammenarbeit von Oxfam mit den Behörden. Die Organisation habe in Bezug auf die "moralische Führung" versagt. Am Montag plant sie ein Treffen mit Oxfam-Vertretern.

Auch die Europäische Kommission hat reagiert: "Wir zeigen bei Fehlverhalten von Organisationen, die von uns finanziell unterstützt werden, Null-Toleranz. Wir erwarten, dass Oxfam die Vorwürfe mit größtmöglicher Transparenz vollständig klären wird", sagte die Sprecherin für NGOs bei der EU-Kommission.

Brüssel hatte nach eigenen Angaben die Arbeit von Oxfam nach dem schweren Erdbeben im Jahr 2010 mit rund 2 Millionen Euro unterstützt.

Unterstützung für Tausende Katastrophenhelfer

Auch wenn der Sexskandal weltweit für Kritik und Empörung sorgt, verteidigen viele dennoch die Arbeit Tausender Helfer in Krisengebieten. Der Londoner Guardian meinte am Dienstag:

"Für Organisationen, die mit Kindern und anderen leicht verletzlichen Menschen arbeiten, besteht eine Herausforderung bekanntermaßen in dem Risiko, dass Sexualstraftäter einen respektablen Deckmantel für Kontakte mit ihren potenziellen Opfern suchen. (...) Es sollte nicht zugelassen werden, dass diese Krise das Bekenntnis zu großzügiger Hilfe - als moralische Pflicht sowie als pragmatische Politik - untergräbt. In den Oxfam-Fall sind weniger als zehn Männer involviert. Die mutigen und engagierten Bemühungen Tausender von Oxfam-Mitarbeitern haben unter oft grauenvollen und gefährlichen Umständen Millionen von Menschenleben gerettet. Sie und ihre Kollegen in anderen Hilfsorganisationen verdienen es, bestmöglich verteidigt zu werden. Das erfordert Rechtschaffenheit und Transparenz sowie die deutliche Entschlossenheit, sich von jedem zu trennen, der ihre Reputation gefährdet."