Eilmeldung

Eilmeldung

"Ich kann diese Zeit nicht vergessen."

Sie lesen gerade:

"Ich kann diese Zeit nicht vergessen."

"Ich kann diese Zeit nicht vergessen."
Schriftgrösse Aa Aa

April 2017 in Livadia, anderthalb Stunden von Athen. Hier treffen wir die Familie Hanan aus Syrien.

Nach neun strapaziösen Monaten in einem Flüchtlingslager hat die Familie nun eine eigene Unterkunft.

Möglich wurde dies durchein spezielles Unterbringungs- und Umsiedlungsprogramm, finanziert von der EU-Kommission.

Hanash Hanan ist außer sich vor Freude: "Jetzt leben wir ein normales Leben, wie alle Menschen. Alles hier ist gut. Meine Kinder gehen zur Schule, ich habe ein Haus, eine Küche, ein Badezimmer - ein normales Leben eben."

Yousef Hanan, 44, hatte einen Molkereibetrieb in Idlib mit mehr als 40 Angestellten. Als er Griechenland erreichte, wählte er Irland als neue Heimat für seine Familie.

"Ich habe Freude in Irland. Die wollen mir helfen. Das macht vieles leichter. Ich habe schon die Erlaubnis, nach Irland zu gehen. Ich weiß aber noch nicht wann. Es dauert wohl zwei, drei Monate."

Zehn Monate später. Das Asyl-Gesuch der Familie in Irland wurde akzeptiert.

Sie tragen ihr Gepäck zum Omonoia-Platz. Dort treffen sie mit anderen Flüchtlingen zusammen. EIn Vertreter einer Hilfsorganisation wird sie zum Flughafen begleiten.

Insgesamt sind es 37 Migranten, die über Paris nach Dublin fliegen.

Hanan Yousef: "Es war eine lange Zeit mit vielen Problemen. Schlimm. 23 Monate waren wir in Griechenland. Ja, wir waren glücklich hier, aber dieses Glücksgefühl war iregndwann weg."

Wir verlassen das Stadtzentrum und fahren zum Venizelos-Flughafen.

Während Yousef Griechenland Adieu sagt, erinnert er sich an die schlimmsten Momente seines Aufenthalts. Das waren die neun Monate, die er und seine Familie im Flüchtlingslager Ritsona verbrachten. Seine Frau Hanash gebar dort ihren jüngsten Sohn.

"Wir sind fünf Personen und lebten in einem kleinen Zelt. Im Winter war es wirklich sehr nass. Wirklich schlimm. Ich kann diese Zeit nicht vergessen."

Am Morgen ereicht die Gruppe den Flughafen. Eltern wecken ihre Kinder auf. Die Kleinsten waren eingeschlafen.

Als Yousef und Hanash auf die Bordkarten warten, gesellt sich eine Frau zu ihnen

Betty, eine Britin. Sie ist verheiratet mit einem Griechen und lebt im Land seit mehr als 30 Jahren. Sie hat eine simple Botschaft für die Hanans.

"Es ist nicht das erste Mal, dass ich eine Gruppe von Flüchtlingen hier am Flughafen sehe. Und ich fühle mich einfach genötigt, ein paar Worte mit ihnen zu wechseln und ihnen zu versichern, dass sie dort, wo sie hingehen, willkommen sind. Sie brauchen keine Angst zu haben."

Die Internationale Organisation für Migration ist für die Umsiedlung der Menschen verantwortlich.

Ihre Sprecherin Christine Nikolaidou sagt: "Für uns bedeutet es nicht einfach, die Flüchtlinge in ein Flugzeug zu setzen und in ein anderes EU-Land zu fliegen. Wir wollen ihnen eine Chance bieten, ein neues Leben zu beginnen - in Sicherheit und Würde.

Zeit für die 37 syrischen Flüchtlinge, ihr Gepäck aufzugeben und mit ihren Bordkarten zum Gate zu gehen.

Hanash Hanan macht zum letzten Mal Fotos ihrer Kinder in Griechenland. Was sind ihre Gefühle?

"Ich bin glücklich, weil dies das Ende unseres Aufenthalts hier ist. Und ich bin traurig, weil wir viele Freunde in Griechenland und Syrien zurücklassen. Dann bin ich natrlich aufgeregt vor dem, was uns erwartet... ein neues Leben mit unseren Kindern. Ich will, dass sie eine bessere Zukunft haben."

Etwa 60.000 Flüchtlinge, die in Griechenland gestrandet sind, wünschen sich einen solchen Moment herbei. Mit einem Flugzeug in ein neues Land ihrer Träume auszureisen. Die Familie Hanan hat es geschafft. Die Zukunft wird nicht einfach, aber die Unischerheit der Vergangenheit ist vorbei.

Letzter Abschied. Die Hanans können einsteigen.

Wir können sie nicht ins Flugzeug begleiten, aber will wollen uns in ein paar Monaten in Dublin wiedersehen.

Das ist dann eine andere Geschichte.