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Essener Tafel akzeptiert nur noch Deutsche - Kritik von Landesverbänden

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Essener Tafel akzeptiert nur noch Deutsche - Kritik von Landesverbänden

Essensausgabe in einer deutschen Suppenküche
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REUTERS/Wolfgang Rattay
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Hat Soldarität Grenzen? Um in der Essener Tafel neu aufgenommen zu werden, muss man ab sofort einen deutschen Personalausweis oder Pass vorzeigen.

Diese Entscheidung hat die Leitung der Einrichtung, in der Lebensmittel verteilt werden, getroffen und damit eine Welle der Kritik ausgelöst. Zuerst hatte davon die WAZ berichtet. "Wir wollen, dass auch die deutsche Oma weiter zu uns kommt", sagte der Vorsitzende Jörg Sartor der Zeitung.

Zahlreiche Landesverbände, darunter Niedersachsen, Bremen und Hessen, übten Kritik an dem Aufnahmestopp. Die Vorsitzende der Berliner Tafel, Sabine Werth, sagte der Deutschen Presse-Agentur, nach den Grundsätzen des Dachverbandes "Tafel Deutschland e.V." sei die Hilfe der gemeinnützigen Essensausgaben für alle gedacht, die dieser Unterstützung bedürften.

"Für die Berliner Tafel gibt es keine Bedürftigen erster oder zweiter Klasse", so Werth gegenüber dpa.

Auch der Paritätische Wohlfahrtsverband in Nordrhein-Westfalen kritisierte die Entscheidung. Landesgeschäftsführer Christian Woltering sagte, er könne nachvollziehen, dass die Ressourcen knapp sein, "aber Maßnahmen wie ein Aufnahmestopp sind Wasser auf die Mühlen der Rechtspopulisten".

Auf der Internetseite der Essener Tafel wird mitgeteilt: "Da Aufgrund der Flüchtlingszunahme in den letzten Jahren der Anteil ausländischer Mitbürger bei unseren Kunden auf 75 % angestiegen ist, sehen wir uns gezwungen, um eine vernünftige Integration zu gewährleisten, zurzeit nur Kunden mit deutschem Personalausweis aufzunehmen."

Insgesamt kann die Essener Tafel nach Informationen der WAZ 1800 Karten für Bedürftige ausgeben. Plätze sind begehrt. Hinter einer Karte steht häufig eine gesamte Familie.

Allerdings beeinflussten wohl auch andere Faktoren die Entscheidung. Nach Schilderung des Vorsitzenden verhielten sich viele neue Tafel-Kunden gegenüber Frauen respektlos. Oft sei es zu Gerangel gekommen, "ohne Rücksicht auf die Oma in der Schlange". Auch alleinerziehende Mütter hätten sich von fremdsprachigen hungen Männern in der Warteschlange abgeschreckt gefühlt.

Sator erklärt aber, der Aufnahmestopp für Nicht-Deutsche sei keine leichte Entscheidung gewesen, mit Unruhe habe er gerechnet.

Die Tafeln sind gemeinnützige Vereine, die etwa von Supermärkten gespendete Lebensmittel an Bedürftige verteilen.