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Frankreich: Jüdischer Dachverband warnt vor wachsendem Antisemitismus

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Frankreich: Jüdischer Dachverband warnt vor wachsendem Antisemitismus

Synagoge in Frankreich.
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Symbolbild: Rauenstein, via Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0
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Juden in manchen französischen Vorstädten sehen sich nach Angaben des jüdischen Dachverbandes Crif gezwungen, wegen Antisemitismus umzuziehen.

"Das ist ein sehr ernstes Thema und ein Phänomen, das sich mehr und mehr entwickelt", sagte der Vorsitzende des Verbands jüdischer Organisationen in Frankreich, Francis Kalifat, der Deutschen Presse-Agentur in Paris.

"Wir schätzen, dass zwischen 50.000 und 60.000 Menschen seit den 2000er Jahren erlebt haben, was ich das innere Exil nenne."

Es gebe in gewissen Problemvierteln in der Peripherie großer Städte einen "Antisemitismus im Alltag", sagte Kalifat. "Das sind Graffiti auf den Autos, abgerissene Briefkästen, absichtliche Drängeleien am Aufzug... - All das schafft ein Klima, das für die Betroffenen ein Gefühl der Unsicherheit schafft und sie dazu bringt, diese Viertel zu verlassen."

Kalifat fordert insbesondere ein härteres Vorgehen der Justiz gegen antisemitische Straftaten, um für Abschreckung zu sorgen.

In den vergangenen Jahren hatten in Frankreich mehrfach antisemitische Übergriffe für Aufsehen gesorgt, insbesondere die islamistischen Anschläge auf Juden in Toulouse 2012 und auf einen jüdischen Supermarkt in Paris 2015.

Im vergangenen Jahr wurden in Frankreich 311 antisemitische Drohungen und Gewalttaten angezeigt, ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Frankreich hat die größte jüdische Gemeinschaft Europas mit nach Schätzungen mehr als 450.000 Menschen.