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Polens #RespectUs-Kampagne: Mit LKWs gegen Holocaust-Aussagen

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Polens #RespectUs-Kampagne: Mit LKWs gegen Holocaust-Aussagen

Mit der Aufschrift "Im 2.WK haben Polen mehr als 100.000 Polen gerettet"
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RespectUs
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Polen hat LKW` s auf Europas Straßen geschickt, auf denen der Hashtag #RespectUs und "Während des Zweiten Weltkriegs haben Polen mehr als 100.000 Juden gerettet" zu lesen ist. Die Kampagne fällt mit der Einführung eines Gesetzes zusammen, nach dem es unter Strafe gestellt ist, dem polnischen Staat eine Mitschuld am Holocaust zu geben.

Zahlreiche Menschenrechtsorganisationen und Regierungen im Ausland haben das Gesetz als einen Angriff auf die freie Meinungsäußerung kritisiert.

Im Zweiten Weltkrieg töteten deutsche Nazis in Polen rund drei Millionen Juden, das entspricht ungefähr der Hälfte aller damals getöteten Juden. Historiker gehen davon aus, dass auch zahlreiche Polen an Ermordungen von Juden direkt oder indirekt beteiligt waren.

Die #RespectUs-Kampagne trägt die Botschaft, dass die Geschichte des Holocaust "verfälscht" werde. Der polnischen Nation Mitverantwortung zu geben sei eine der "schockierendsten und skandalösesten Ereignisse der modernen Geschichte Polens", heißt es auf der Internetseite der Kampagne.

"Polen hat im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern nie mit Nazi-Deutschland zusammengearbeitet." Obwohl die Todesstrafe darauf gestanden habe, hätten Landsleute während des Zweiten Weltkriegs mehr als 100.000 Juden gerettet.

Botschaft verbreiten, Respekt verschaffen

Um ihrer Botschaft weiter Gehör zu verschaffen, haben Aktivisten ein Dutzend LKW` s mit dem Slogan "Während des Zweiten Weltkriegs haben Polen mehr als 100.000 Juden gerettet" auf europäische Straßen geschickt.

"Seit Beginn dieser Woche sind die ersten Lastwagen bereits zu ihren westeuropäischen Zielen - vor allem nach Deutschland - unterwegs", sagte Kampagnengründer Marek Miśko gegenüber Euronews.

"Wir sind sicher, dass bald polnische Lastwagen, die an die offensichtlichen Fakten der Weltgeschichte und Polens erinnern, andere europäische Länder buchstäblich überfluten werden", fügte er hinzu.

#RespectUs
Einer der LKWs der Kampagne#RespectUs

'Kampagne gegen Fake-News'

Miśko sagte, man habe sich für den Einsatz der Lastwagen entschieden, nachdem "einige Medien der Welt begannen, die öffentliche Meinung mit Unwahrheiten und Lügen über die Geschichte Polens zu überschwemmen".

Die Initiative"RespectUs" bezeichnet sich selbst als eine Basisinitiative, die von einer Gruppe junger Leute, die Polen liebten, ins Leben gerufen wurde. Sie erhalte keine Unterstützung von Politikern oder staatlichen Unternehmen.

Das Ziel sei es, Menschen dazu zu bringen, sich selbst eine Meinung zu bilden.

"Wir wollen mit dieser Kampagne niemanden überzeugen. Wir bitten nur darum, dass unsere Kollegen aus anderen europäischen Ländern unabhängig denken, sich nicht manipulieren lassen, Lügen mit Wahrheiten begegnen und in dieser Wahrheit leben. Das ist alles, worum wir bitten", sagte Miśko.

#GermanDeathCamps

Vor einigen Wochen hatte der polnische Ministerpräsident unter dem Hashtag #GermanDeathCamps eine Kampagne in sozialen Medien zur Unterstützung des Holocaust-Gesetzes ins Leben gerufen.

Medien und Politiker hatten Vernichtungslager in Polen "polnische Konzentrationslager" genannt und damit vor allem die geografische Lage gemeint. In Polen wird befürchtet, die Bezeichnung gebe zu verstehen, dass Polen die Lager errichtet hätten.

Jüdische Reaktion

In einem offenen Brief in der New York Times hat der Präsident des Jüdischen Weltkongresses sich für eine Versöhnung in dem "Feuersturm des bösen Willens", der von Polen ausginge, ausgesprochen.

In jedem Land, das Deutschland während des Krieges besetzt hatte, habe es Komplizen gegeben. Viele seien mitverantwortlich für die Massenmorde, schreibt Ronald S. Lauder, der Präsident des Jüdischen Weltkongresses.

Die Einführung des Holocaust-Gesetzes hat auch zwischen Polen und Israel für Spannungen gesorgt. Der polnische Ministerpräsident Morawiecki hatte unter anderem auf der Münchner Sicherheitskonferenz gesagt, es habe auch "jüdische Täter" gegeben im Holocaust und damit für Empörung in Israel gesorgt.

Eine Regierungsdelegation aus Warschau ist an diesem Donnerstag nach Jerusalem gereist, um die diplomatische Krise zu entschärfen.