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Italien hat gewählt - Alles was Sie wissen müssen

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Italien hat gewählt - Alles was Sie wissen müssen

Ein Wähler sieht sich die Parteienliste an
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REUTERS/Max Rossi
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1. Sieg der Anti-establishment-Parteien

Keine Partei und kein Bündnis hat eine Regierungsmehrheit.

Die Protestpartei 5 Sterne-Bewegung (Movimento5Stelle) hat eindeutig die meisten Stimmen bekommen. Einer von zwei Wählern in Italien setzte sein Kreuz bei der Partei, die der Komiker Beppe Grillo 2009 gegründet hat. Nach Hochrechnungen kommt sie auf mehr als 32 Prozent. Alessandro Di Battista, einer der bekanntesten Köpfe der Bewegung, sprach von einer "Vergöttlichung".

Das Ziel des Spitzenkandidaten Luigi di Maio, 30 Prozent zu erreichen, wurde damit nicht nur erreicht sondern übertroffen. Allerdings ist die Partei von einer absoluten Mehrheit weit entfernt.

Obwohl sie vor der Wahl angekündigt hatte, dass sie keine Koalition eingehen werde, machen ihre Vertreter sich nun auf Gespräche bereit: "Alle werden jetzt mit uns reden müssen", sagte Battista.

2. Mitte-rechts-Bündnis vorne

Nicht nur M5S freut sich über ein historisches Wahlergebnis, auch die Populisten jubeln. Im Vergleich zu 2013 konnte die rechtspopulistische Lega Nord ihr Ergebnis vervierfachen und ist damit die stärkste Partei rechts der Mitte. Sie hatte sich vor allem vor dem Hintergrund der Migrationskrise Verhör geschafft.

Matteo Salvini überholt mit diesem Ergebnis (rund 17,7 Prozent) sogar Silvio Berlusconis Forza Italia (13,9 Prozent). Das Mitte-rechts-Bündnis kommt dank des guten Ergebnisses auf mehr als 37 Prozent - hat aber keine Mehrheit um alleine zu regieren.

Hatte die Femen-Akitivistin, die Silvio Berlusconi im Wahllokal barbusig überraschte Recht? Auf ihrem Körper stand in schwarzer Schrift "Berlusconi, deine Zeit ist abgelaufen". Er dürfte in jedem Fall nicht damit gerechnet haben, dass Salvini ihn überholte.

3. Historische Schlappe für Renzi

(Erwarteter) Verlierer des Abends ist die sozialdemokratische PD von Ministerpräsident Matteo Renzi. Nach vorläufigen Ergebnissen kommt sie auf 18 Prozent der Stimmen. Renzi hatte vor der Wahl angekündigt auch bei einer Wahlschlappe seinen Posten als Chef der Sozialdemokraten behalten zu wollen.

Die Wahlbeteileigung lag bei 73 %.

4. Was kommt jetzt?

Die italienische Presse sieht zwei Möglichkeiten: Entweder eine Mitte-rechts-Regierung unter Matteo Salvini oder eine Regierung der 5-Sterne-Bewegung in einer Koalition mit der rechtspopulistischen Lega. Letzte gilt allerdings als weniger wahrscheinlich.

Für eine große Koalition aus PD und Forza Italia reichen die Simmen nicht.

Lega und M5S?

Die Standpunkte der Lega und M5S erscheinen nicht unvereinbar, was die EU und den Euro angeht. Salvini ist Gegner der Gemeinschaftswährung und die Fünf-Sterne-Bewegung fordert ein Referendum über den Verbleib in der Euro-Zone. Beide Parteien fordern einen Umbau der EU und eine Lockerung der Sparpolitik.

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