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Ostrowez: Streit um Kernkraftwerk Weissrusslands an EU-Grenze

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Ostrowez: Streit um Kernkraftwerk Weissrusslands an EU-Grenze

Ostrowez: Streit um Kernkraftwerk Weissrusslands an EU-Grenze
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Experten aus 22 EU-Mitgliedsstaaten besuchen in der kommenden Woche einen chronischen Zankapfel zwischen Litauen und seinem Nachbarn Weißrussland - Ostrowez (Astravyets), hier wird seit fünf Jahren an einem Atomkraftwerk gebaut, 16 Kilometer von der litauischen Grenze und 50 Kilometer von der litauischen Hauptstadt Vilnius entfernt.

Die Experten sollen die weißrussischen Stresstests bewerten.

Auch die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaite fühlt sich bedroht:

"Wir sehen dieses Projekt als geopolitisches Projekt des Kreml. Sicherheit, politische Interventionen, Umwelt, öffentliche Gesundheit - all das mit einem solchen Instrument in der Nähe der litauischen Hauptstadt und der europäischen Grenzen bedroht".

Anfänglich als politisches Muskelspiel der Nachbarn eingeschätzt, hat sich die Bewertung des Energieprojekts in Litauen geändert – als bekannt wurde, dass es per Kredit von mehr als 8 Milliarden Euro aus Russland finanziert und von dessen Atombehörde Rosatom gebaut wird. Vilnius versucht, das Bewusstsein in der EU und den USA zu schärfen. Nach der Katastrophe in Fukushima hat die EU gefordert, dass Weißrussland ebenso strenge Stresstests durchführt wie ihre Mitgliedsstaaten.

Dazu der stellvertretende weißrussische Energieminister Mikhail Mikhadyuk:

«Wir haben alle Untersuchungen der Anlage Ostrowez abgeschlossen. Es wurde kein einziger negativer Faktor aufgedeckt."

Ein Drittel der litauischen Bevölkerung lebt im Umkreis von 100 Kilometern von der Anlage und müsste im Falle eines schweren Vorfalls innerhalb eines Tages evakuiert werden. Die Türme des Kraftwerks jenseits der Grenze sind von der litauischen Hauptstadt aus gut zu sehen. Es liegt stromaufwärts in der Nähe des des Flusses Neris, der dann durch Vilnius fließt.

Litauen musste ein Atomkraftwerk (Visaginas) zum EU-Eintritt schließen. Im vergangenen August schloss das Parlament jeglichen Energie-Import aus Ostrowez aus.

Der stellvertretende weißrussische Energieminister Mikhail Mikhadyuk:

«Ob Litauen Strom kauft oder nicht, ist seine Sache. Die Wirtschaft wird das am Ende nüchtern betrachten. Wir leiden nicht schwer, wenn Litauen keinen Strom abnimmt."

Auf der Baustelle war 2012 ein Brand ausgebrochen und 2016 krachte ein Stützbau ein. Im selben Jahr stürzte ein 330-Tonnen-Reaktorgehäuse von einem Kran.

Das Kraftwerk soll ab 2019 in Betrieb gehen. Die Entfernung von Berlin: 1.000 Kilometer, etwa so weit wie Tschernobyl.

su