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Russischer Ex-Spion kämpft um sein Leben

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Russischer Ex-Spion kämpft um sein Leben

Tatort in Salisbury
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REUTERS/Toby Melville
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Update: Mittlerweile bestätigte der britische Außenminister Boris Johnson, dass es sich bei der weiblichen Begleiterin um Skripals Tochter handelt. Zudem wurde bekannt, dass ein Rettungssanitäter ebenfalls ins Krankenhaus eingeliefert wurde.

Russland hat den Verdacht, die Regierung könne hinter dem Anschlag stecken zurückgewiesen und eine "Dämonisierung Russlands" angeprangert.

Ein Doppelagent, eine mysteriöse Vergiftung, keine Spuren. Alle Umstände dieser Tat erinnern an den Kalten Krieg: Der frühere russische Doppelagent Sergej Skripal, der für Großbritannien spionierte, ist im britischen Salisbury mit seiner Begleiterin vergiftet worden. Beide befinden sich in kritischem Zustand und werden im Krankenhaus behandelt.

Was ein Augenzeuge sah

Sie wurden auf einer Bank gefunden, beide stark benommen. Als Vorsichtsmaßnahme reinigten Sicherheitskräfte in Schutzanzügen den Tatort. Auch die Intensivstation wurde abgeriegelt. Der Augenzeuge Jamie Paine erinnert sich: "Es sah so aus, als ob die Frau tot sei. Ihre Beine waren so steif, ganz wie ein Tier in Totenstarre. Als man sie auf den Boden legte, waren ihre Augen ganz verdreht, weiß und weit geöffnet. Sie hatte Schaum vor dem Mund. Dann verkrampfte sich auch der Mann. Seine Arme wurden steif, er sah wie tot aus."

Die Tat steht offenbar in Zusammenhang mit einer Pizzeria, auch diese wurde zeitweise geschlossen.

Wer ist Skripal?

Der 66-Jährige war russischer Doppelagent, der für Großbritannien in Russland spionierte. 2004 nahm ihn der russische Geheimdienst FSB fest. Im Zuge eines geheimen Prozesses wurde er zu 13 Jahren Haft verurteilt. Er gab zu, gegen Geld für den MI6 gearbeitet zu haben.

Dann wurde er 2010 begnadigt und bei einem spektakulären Gefangenenaustausch auf dem Rollfeld des Wiener Flughafens zusammen mit anderen Agenten ausgeliefert. Es war einer der größten Austausche seit Ende des Kalten Krieges 1991.

Parallelen zu früheren Attentaten

Vieles erinnert an den Fall des mit radioaktivem Tee vergifteten Kreml-Kritikers Alexander Litwinenko.

Dieser starb 2006 an den Folgen der Vergiftung. Britischen Ermittlungen zufolge stecken frühere russische Geheimdienstler hinter dem Mord.

Litwinenko hatte für den britischen Geheimdienst spioniert und mögliche Verstrickungen zwischen der russischen Regierung und der Mafia untersucht. Im Jahr 2000 floh er mit seiner Familie von Russland nach Großbritannien. In London angekommen, schloss er sich dem entschiedenen Kreml-Gegner Boris Beresowki an. Auch der Milliardär starb 2013 unter ungeklärten Umständen.