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Türkischer Regierungssprecher zu Nordsyrien: Pentagon verbreitet „Unsinn“

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Türkischer Regierungssprecher zu Nordsyrien: Pentagon verbreitet „Unsinn“

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Die Türkei plant in Nordsyrien Flüchtlingslager. Die neun Lager würden in der Region Idlib und bei Dscharablus errichtet, die türkeifreundliche Rebellen kontrollieren, so ein türkischer Regierungssprecher. In der Türkei leben geschätzt gut 200.000 Syrer in Flüchtlingslagern und mehr als drei Millionen außerhalb.

Dscharablus liegt an der syrisch-türkischen Grenze. Die Stadt ist seit der türkischen Militäroffensive in Nordsyrien 2016/17 von der Türkei besetzt – in der Nähe von Manbidsch, wo gegen den Willen des NATO-Mitglieds Türkei US-Truppen stationiert sind – und die von der Türkei bekämpfte syrische Kurdenmiliz YPG unterstützen.

Hami Aksoy, Sprecher des türkischen Außenministeriums:

"Der Rote Halbmond und das Katastrophenschutzamt der türkischen Regierung AFAD haben Vorbereitungen für den Bau von Flüchtlingslagern mit einer Kapazität von 170.000 Menschen in Idlib und dem Gebiet der Operation "Schutzschild Euphrat" begonnen."

"SCHUTZSCHILD EUPHRAT"

Die Türkische Militäroffensive "Schutzschild Euphrat" in Nordsyrien 2016/17 richtete sich offiziell gleichermaßen gegen den von der UNO als Terrororganisation bezeichneten "Islamischen Staat" (IS) wie gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF).

Ein Sprecher des Pentagons hatte am Montag erklärt, dass die Bodenoperationen gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (DAESH) in Ostsyrien vorerst eingefroren würden. Die Volksverteidigungskräfte (YPG) hätten trotz der US-Bedenken die Kämpfe in Flußtal des Euphrats eingestellt und seien im Begriff, den Kampf im Distrikt Afrin aufzunehmen.

Hami Aksoy, Sprecher des türkischen Außenministeriums:

"Lassen Sie mich sagen, dass der Pentagon-Sprecher weiter Unsinn geredet hat. Sie wissen alle sehr gut, dass YPG/PYD (Partiya Yekitîya Demokrat, kurdische Partei) eine Terrororganisation ist."

"OLIVENZWEIG"

In der Nähe der kurdischen Enklave Afrin, gegen die die türkische Offensive "Olivenzweig" läuft, hat die türkische Luftwaffe am Wochenende nach Medienberichten aus dem Umfeld der russischen Regierung („RT deutsch“) in 48 Stunden mindestens 50 Assad-treue syrische Soldaten getötet. Unter anderem bekämpfen sich in der Gegend kurdische Kräfte (YPG) und die von der Türkei unterstützte – sunnitische - "Free Syrian Army" (FSA).

Der syrische Präsident Baschar al-Assad habe dem türkischen Präsidenten gestern Heuchelei vorgeworfen, hieß es weiter. Dieser verfolge demnach mit dem illegalen "Überfall" auf Syrien ein Ziel, das er seit Beginn des Krieges habe - nämlich eine Pufferzone "für Terroristen zu schaffen, die die Türkei unterstützt, um die syrische Armee und Regierung sowie das Volk anzugreifen"

Afrin ist einer von drei Kantonen, die 2014 von der PYD und anderen Gruppierungen in den vorwiegend kurdisch bewohnten Landesteilen im Norden Syriens gegründet wurden. Afrin hat keine direkte Verbindung zum restlichen von der PYD bzw. Volksverteidigungseinheiten (YPG) kontrollierten Gebiet. Nachdem die Demokratischen Kräfte Syriens (SDF), die hauptsächlich aus Kämpfern der YPG bestehen, im August 2016 die Stadt Manbidsch erobert hatten und nach Westen Richtung Afrin vorrückten, begann die Türkei die Operation Schutzschild Euphrat und eroberte mit verbündeten Truppen das Gebiet zwischen Afrin und Manbidsch. Angesichts der jüngsten Ankündigung Präsident Erdogans, die Militäraktionen seiner Streitkräfte auch in das östlich von Afrin gelegene Manbidsch zu tragen, drohen sich Spannungen innerhalb der NATO dramatisch zuzuspitzen. In der strategisch wichtigen Stadt, die zu großen Teilen von den Syrischen Demokratischen Streitkräften (SDF) kontrolliert werden, unterhalten amerikanische Spezialkräfte einen Stützpunkt.

Sprecher des türkischen Außenministeriums Aksoy kündigte für den 16. März ein Treffen des türkischen Außenministers Mevlüt Cavusoglu mit seinen iranischen und russischen Amtskollegen in Astana (Kasachstan) an. Die drei Länder sind «Garantiemächte» für vier sogenannte Deeskalationszonen in Syrien. Dazu gehört auch das derzeit umkämpfte Rebellengebiet Ost-Ghouta bei Damaskus.

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su mit dpa