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Weniger 'Booth Babes': Trendwende beim Genfer Autosalon?

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Weniger 'Booth Babes': Trendwende beim Genfer Autosalon?

Ein Model präsentiert die Marke Lvchi auf dem Genfer Autosalon
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Sie gehören für so manchen Besucher zu Autosalons wie Popcorn zu Kino: Die Hostessen, die sich in der Messehalle auf den Motorhauben räkelten oder mit teilweise aufreizender Kleidung am Steuer eines Sportwagens posierten.

Mein erster Gedanke, als ich hereinkam, war: Wo sind all die Mädchen? Ich wusste nicht, warum es so viel weniger Frauen hier sind.

Stefania Orlando Besucherin des Genfer Autosalons

Wer in diesem Jahr über die Genfer Automobilmesse geht, wird bemerken, dass deutlich weniger in der Branche als 'Booth Babes' bezeichneten Frauen präsent sind. Findet hier in Zeiten der #metoo-Proteste ein Umdenken statt?

Viele Autbauer, darunter Lexus, SsangYong und Nissan, reagierten auf den Druck im Vorfeld der Messe, indem sie etwa die Kleidungordnung der Hostessen änderten oder sich dagegen entschieden, ihre Fahrzeuge von Mannequins präsentieren zu lassen.

SsangYong stellte auf der Messe seinen neuen Musso-SUV vor. Ein Sprecher sagte gegenüber euronews: "Dieser Fahrzeugstil (der Musso) wird wirklich als Freizeitmodell angesehen. Also werden sowohl männliche als auch weibliche Models an unserem Stand sein. Sie werden Sportbekleidung tragen, um dieses Lifestyle-Thema widerzuspiegeln.

"Es geht darum, mit der aktuellen Meinung und den neuen Produkten des Unternehmens im Einklang zu sein."

Nissan ging noch einen Schritt weiter und tauschte alle Hostessen gegen Autospezialisten aus.

"Wir setzen keine Models mehr ein, um Autos auf Automobilmessen zu präsentieren. Wir haben jetzt männliche und weibliche Produktspezialisten, die ausgebildet sind, um Medien und Kunden während der gesamten Dauer der Messe mit Informationen zu versorgen", sagte ein Sprecher von Nissan auf Anfrage von euronews.

Genfer Autoshow: damals und heute

Für viele Kritiker müssen Autokonzerne noch weiter gehen, um den Sexismus in der Automobilindustrie zu bekämpfen. Aber wie sieht es in diesem Jahr im Vergleich zu früheren Ausstellungen aus?

Stefania Orlando kommt aus Mailand und reiste mit ihrem Mann und Sohn in die Schweiz, um sich die Autoshow anzusehen. Es ist ihr viertes Mal auf der Messe und Orlando bemerkte den Unterschied sofort.

"Mein erster Gedanke, als ich reinkam, war: Wo sind all die Mädchen? Ich wusste nicht, warum es so viel weniger Frauen gab."

"Vor 10 Jahren war es noch ganz anders, die Models waren überall."

Auch Diego, der zuvor schon für BMW und Porsche auf dem Genfer Automobilsalon gearbeitet hat, konnte einen deutlichen Rückgang der 'Booth Babes' feststellen - und dass ihre Kleidung in diesem Jahr "weniger aufreizend" ist.

"Vor fünf Jahren war es wirklich nur: Autos und Mädchen."

"Jetzt sind es nur Autos", sagte Diego, bevor er mit einem Lächeln innehielt, "und weniger Mädchen".

Früher sei es auch für familienfreundlichere Marken eine allgemein akzeptierte Praxis gewesen, die Fahrzeuge von hübschen Frauen präsentieren zu lassen.

Eine als Rennfahrerin gekleidete Messehostess steht neben einem Pininfarina H2-Rennwagen auf dem Genfer Autosalon

Ein männlicher Besucher, der seinen Namen nicht nennen wollte, stimmte zu. Die Models hätten ihn nicht gestört: "Es ist ziemlich normal, dass man Hostessen anstellt, um Autos zu präsentieren".

Für Diego ist es nicht nur eine Frage von Sexismus, etwa wenn er an die Outfits denkt, die die Frauen oft tragen mussten. Auch die Geschichten, die er von Model-Kollegen hörte, findet er beunruhigend.

"Es war nicht cool... Männer, die Fotos von den Frauen machten und versuchten, ihre Unterwäsche unter ihrem Rock zu filmen", erzählte er.

Man setzt auf Expertise

SsangYong und Nissan sind nicht die einzigen Marken, die ihre Präsentation hinsichtlich der Hostessen überdacht haben. Die Sportwagenmarke Ferrari verzichteten in diesem Jahr gänzlich auf Hostessen.

Und das tut auch Toyota seit mehr als einem Jahr in Europa. Die Politik solle auch in diesem Jahr fortgesetzt werden. "Wir setzen keine Hostessen auf unserem Toyota-Stand ein", sagte ein Sprecher gegenüber Euronews und fügte hinzu, dass man "Hosts und Hostessen" als Experten einsetzen werde, um Besuchern die Produkte zu erklären.

"Toyotas Personalpolitik in allen Beschäftigungsbereichen ist es, die richtige Person in der richtigen Rolle zur richtigen Zeit zu finden."

"Ich kann ich selbst sein"

Auch Subaru setzt auf Experten und hat einen neuen Einstellungsprozess entwickelt.

Nach einem Casting-Aufruf müssen die Bewerber zwei Tage lang ein Training an einem bestimmten Fahrzeug absolvieren. Danach werden sie einem Test unterzogen, bevor der Verleiher grünes Licht erhält, so Rea Tanner, eine Hostess für Subaru.

Auch der Showroom setze sich aus verschiedenen Mitarbeitern zusammen, sagt sie.

Hostess Rea Tanner am Subaru-Stand auf dem Genfer Autosalon

Tanner war selbst überrascht: "Als ich zum Casting kam, war ich sehr gestresst. Ich hatte Angs, zu dick oder zu groß zu sein. Ich war total gestresst. Aber jetzt weiß ich, dass das Team aufgeschlossen und vielfältig ist", so die 20-jährige Studentin.

"Ich liebe es, dass man kein dünnes Model sein muss. Ich kann ich selbst sein und meine Persönlichkeit zeigen."

Es ist viel schwieriger, wenn es um Reifen geht

Gänzlich verschwunden sind die Models nicht, doch ihr Erscheinungsbild ist vielfältiger: Sie tragen verschiedene Outfits von locker sitzender Businesskleidung über Overalls bis hin zu eleganter Abendgarderobe.

Eine eindeutige Ausnahme stellten Reifenfirmen dar, sie verzichten bisher nicht auf die Mädchen: Candice Duthe, die bereits zum zweiten Mal als Hostess auf der Messe arbeitet, findet das notwendig, damit die Händler ihre Besucher für die Artikel begeistern können.

"Models helfen dabei, die Aufmerksamkeit auf die Reifen zu lenken, was notwendig ist, wenn man bedenkt, dass die Autofirmen sich darauf verlassen können, dass das Auto selbst die Massen anlockt. Es ist viel schwieriger, wenn es um Reifen geht", sagte sie am Stand von Cooper Tires.

Candice (in weiß) posiert neben einem Reifen auf der Genfer Autosalon

Doch sie zieht eine Grenze.

"Die Outfits der Firma, für die ich arbeite, sind gut: Wir tragen längere Kleider und Stiefel. Es ist nicht wie bei den anderen Ständen, wo ich High Heels tragen oder etwas anderes zeigen muss...", so Duthe, während sie auf ihre Brust zeigt.

Sie und ihre Hostess-Kolleginnen, die zuvor auf der Singapore Auto Show waren, freuen sich, unter diesen Bedingungen in Genf zu arbeiten, sagt sie.