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Nicht nur Mainz trauert um Kardinal Lehmann (81✝)

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Nicht nur Mainz trauert um Kardinal Lehmann (81✝)

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© Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
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Alle Kirchenglocken im Bistum Mainz läuten Kardinal Karl Lehmann zu Ehren eine halbe Stunde lang. Der überaus beliebte langjährige Bischof von Mainz und Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz ist nach einem Schlaganfall vom Herbst 2017 an diesem Sonntagmorgen in seinem Haus in der Stadt am Rhein im Alter von 81 Jahren gestorben.

Lehmann war beliebt als Mann der klaren Worte. Viele, die seine Standpunkte nicht unbedingt teilten, respektierten ihn dennoch ungemein. Lehmann war für das Engagement von Frauen in der katholischen Kirche, aber gegen die Ehe für alle. Besonders setzte sich der Kardinal für die Ökumene, für das Miteinander der verschiedenen Religionen ein. Er diskutierte gern, es war ihm schwer gefallen, seine Tätigkeit als Lehrender an der Universität aufzugeben.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker nennt Lehmann auf Twitter einen "treuen Freund." Der deutsche Präsident Frank-Walter Steinmeier sagte: "Er war einer der wichtigen Brückenbauer zwischen den Konfessionen und Religionen. Er war ein Mann klarer Worte, der bei aller Nachdenklichkeit und Konzilianz auch die politische Kontroverse nicht scheute, wenn es um zentrale Fragen des Zusammenlebens in Staat und Gesellschaft ging."

Die Kanzlerin Angela Merkel schätzte die Gespräche mit dem Theologen: "Er hat mich mit seiner intellektuellen und theologischen Kraft begeistert und war dabei immer auch ein Mensch voll bodenständiger Lebensfreude."

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer sagte, Lehmann habe "Maßstäbe für einen weltoffenen Katholizismus gesetzt". Dabei nannte sie das Engagement des Kardinals für die Aufnahme von Flüchtlingen und zum kirchlichen Beistand für schwangere Frauen in Gewissenskonflikten. Allerdings musste Lehmann beim Thema Beratung von Schwangeren am Ende dem Vatikan nachgeben - und die katholische Kirche zog sich aus der Beratung zurück.

Der Deutschlandfunkt ehrt Lehmann als "letzten Intellektuellen auf dem Bischofsstuhl" und als "volksnahen Hirten." Die taz schreibt, Lehmann "versinnbildlichte zwanglos das Beste, was die katholische Kirche noch zu vermitteln mag".