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Belgien: unangemeldete Migranten verlieren medizinische Nothilfe

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Belgien: unangemeldete Migranten verlieren medizinische Nothilfe

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Rachid und Sakina sind aus Marokko nach Belgien gekommen, und hier ist auch ihre Tochter zur Welt gekommen.

Vor drei Monaten, in einem Krankenhaus.

Die Freude darüber, Eltern geworden zu sein wird allerdings von großer Sorge getrübt.

Sie sind hier nicht gemeldet und nicht versichert. Die Krankenhausrechnung beträgt 5.300 Euro.

Ein Sonderfonds für medizinische Nothilfe sollte auch ihnen zu Gute kommen, aber ihr Antrag steckt in der Verwaltung fest.

"Ich habe alles für meine Familie getan, aber leider sind mir nun die Hände gebunden. Ich kann nichts tun", sagt uns Rachid.

Die Sorge ist fühlbar, und droht möglicherweise in Verzweiflung umzuschkagen. Sakina erzählt:

"Was soll ich nur machen?

Ich habe keinen Anspruch auf medizinische Versorgung. Ich muss jeden Krankenhausbesuch voll bezahlen,

wenn mir Ärzte der Welt nicht aushilft. Das ist mein Problem."

Die Hilfsorganisation Ärzte der Welt betreut viele Fälle wie den von Rachid und Sakina. Aber auch das gerät jetzt in Gefahr durch die Gesetzesnovelle, die Hilfsdienste wie ihre bedroht. Die Novelle sieht Strafmaßnahmen für Ärzte und Sozialarbeiter vor, wenn ihre Fälle als "unbegründet" eingestuft werden.

Die Regierung sagt, damit soll Missbrauch bekämpft werden, aber die Hilfsorganisationen sind davon nicht überzeugt.

Ruth Shrimpling arbeitet als Sozialarbeiter für Ärzte der Welt in Brüssel:

"Diese These, dass Migranten hierher kommen, um unseren Sozialstaat auszunutzen, ist völlig unbegründet

und erzeugt den Fremdenhass, den wir gegenwärtig in Belgien und in ganz Europa erleben müssen."

Laut Ärzte der Welt nehmen 90 Prozent aller illegalen Migranten nie medizinische Hilfe in Anspruch. Die Kosten für diejenigen, die es hier tun, belaufen sich auf zwei Zehntel Prozent des belgischen Sozialhaushalts.